Rommelshausen. Eine Feuerwehrübung im Haus Edelberg soll Bewohner und Personal für den Ernstfall wappnen.

Der ganze Raum ist eingehüllt in Nebel. Die Situation erinnert ein bisschen an den Aufenthalt in einer Discothek – einer Discothek, in der es jemand mit der Nebelmaschine zu gut gemeint hat. Dicke Schwaden wabern durch die Luft. Das Atmen fällt schwer, und was noch viel schlimmer ist, weiter wie eine Armlänge durchdringt der Blick den weißen Dunst nicht. Ein Vorankommen ist eigentlich nur noch tastend möglich.

Das ist gut so, denn die Feuerwehrübung, die am Samstagnachmittag mit Großaufgebot im „Römer“ Haus Edelberg ablief, sollte so realitätsnah wie möglich sein. „Nur wenn wir unter komplett echten Bedingungen trainieren , haben die regelmäßig stattfindenden Übungen auch einen Sinn“, sagt Andreas Wersch. Der Gesamtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kernen war auch bei der vergangenen großen Übung in dem Seniorenheim dabei und weiß, dass die Rettung von pflegebedürftigen, teils sogar bettlägrigen und dementen Menschen eine besondere Herausforderung darstellt. „Aber in unserem Gebiet befindet sich auch die Diakonie Stetten, deshalb sind wir vertraut mit schwierigen Rettungseinsätzen“, sagt Wersch.

Das Handy von Sabrina Kegreiß fängt ganz plötzlich an zu piepsen. Die Pflegedienstleiterin muss nur einen Blick darauf werfen, schon weiß sie Bescheid: Das Wort Feuer steht dort zu lesen. Auch Leiter Gregor Brendle hat den Alarmton auf seinem mobilen Telefon gehört. Er rennt los, und kann Sabrina Kegreiß wenig später mitteilen, wo der Brand ausgebrochen ist. Im Aufenthaltsraum A2 steht ein defektes Elektrogerät in Flammen. Der Brand breitet sich rasch über die gesamte Wohnebene aus. „Die dortigen Bewohner haben wir informiert und aus ihren Zimmern geholt“, sagt Brendle. Die Demenzkranken habe man in einen anderen Häuserblock verlegt, um sie nicht mit dem Einsatz zu belasten. Insgesamt wohnen im Haus Edelberg 55 Menschen. Weil die das Treiben aus sicherer Entfernung beobachten, springen Daniel Laaber und Nico Barreis von der Kernener Jugendfeuerwehr ein. „Wir tun so, als seien die Beiden vom Rauch eingeschlossene Bewohner. Das heißt, wir können sie nicht über die Freitreppe retten, sondern müssen zur Drehleiter greifen“, sagt Christian Fischer, von der Feuerwehrabteilung „Rom“.

Mit Atemschutzgerät und Helm tasten sich zwei der insgesamt rund 50 teilnehmenden Rettungskräfte zu den jungen Kollegen vor. Wärmebildkameras helfen ihnen dabei. Sie machen Glutnester und Menschen trotz starken Rauchs sichtbar.

Die Fellbacher Kollegen fahren währenddessen den Arm der Drehleiter aus, und der Rettungskorb nähert sich langsam dem offenen Fenster. Daniel Laaber und Nico Barreis sind schwindelfrei. Wirklichen Brandopfern hätten wir „erst noch gut zugesprochen, und ihnen gesagt, sie sollen nicht nach unten sehen“, sagen die beiden Nachwuchskräfte.

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 26.04.2010 / Text: Simone Käser