Winterliche Gaudi: Die Jugendfeuerwehr Kernen hat einen Mannschaftstransportschlitten gebaut.

Es gibt Probleme mit dem Motor auf vier Beinen. Das Brustgeschirr von Wallach Billie ist beim Anspannen an den Schlitten gerissen. Jetzt wird es nichts mit der Fahrt durch die Winterlandschaft. Die fünf Männer von der Jugendfeuerwehr Kernen, Abteilung Stetten, lassen die Köpfe aber nicht hängen. Es gibt Ersatz. Ein Shetlandpony im Elchkostüm wird vor das winterliche Gefährt gespannt.

Mit dem Strahlrohr in der Hand und dem Schlauch über der Schulter posieren Tim Eißele, Dennis Schuhkraft, Benedikt Lambert, Christian Medinger und Patrick Pfeil in der Feuerwehruniform auf ihrem selbst gebauten Mannschaftstransportschlitten. „Die Jugendfeuerwehr ist in solchen Sachen sehr kreativ“, sagt Andreas Wersch, Abteilungskommandant in Stetten und Kernener Gesamtkommandant.

Ihren Schlitten haben sie MTS-2/8 getauft. Diese Abkürzung steht für Mannschaftstransportschlitten, der in der Abteilung Stetten steht und für acht Personen ausgelegt ist. Einen Monat lang haben die fünf Kameraden an dem Kufenfahrzeug gearbeitet. Von der Planung über die Konstruktion bis zum Bau haben sie alles selber gemacht. „Das Holz für den Schlitten stammt von der Kletterwand, die in unserem Gerätehaus abgerissen wurde“, erzählt Dennis Schuhkraft.

Es ist Tradition, dass sich bei der Waldweihnachtsfeier der Freiwilligen Feuerwehr in Stetten die Jugend eine Gaudi einfallen lässt. Dabei fragen sie sich: Was ist, wenn sie während der Feier im Klettergarten tatsächlich einmal zum Einsatz gerufen werden? „Die Jungs sind in den vergangenen Jahren schon im Schlauchboot oder als Schlittenkette die Weinberge runtergesaust“, erzählt Andreas Wersch. Doch einen Berg hinunter fahren kann jeder, aber was ist, wenn es den Berg hoch gehen soll? Plötzlich war die Idee mit dem Mannschaftstransportschlitten, der von einem Pferd gezogen wird, geboren.

In den Weinbergen unterhalb des Waldschlössles sitzen die Feuerwehrleute vergnügt auf dem Schlitten. Das Shetlandpony haben Anja Rosenbaum und Tanja Erdmann, die auch Therapiestunden auf dem Pferderücken in Fellbach bieten, zur Verfügung gestellt. Doch das robuste Pony ist natürlich zu schwach, um die fünf Männer und den rund 40 Kilogramm schweren Schlitten den Weinberg hinauf zu ziehen. Aber für ein schönes Erinnerungsfoto reicht es allemal.

Die Jungfernfahrt liegt bereits hinter den Feuerwehrmännern. Mit dem selbst gebauten Schlitten sind sie kürzlich die Weinberge in Stetten hinuntergebraust. „Der MTS läuft auch ohne Pferd wie eine eins“, sagt Tim Eißele. Eigentlich sollte das Kurvenfahrzeug bei der Waldweihnachtsfeier am 11. Dezember zum Einsatz kommen. „An diesem Tag lag aber leider kein Schnee“, sagt Andreas Wersch. Nach einer Viertelstunde ist die winterliche Gaudi zu Ende. Für einen kleinen Spaß ist aber noch Zeit. „Wasser marsch“, ruft einer der Feuerwehrmänner.

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 20.12.2010 / Text: Sascha Sauer