Vier Punkte sind jetzt beschildert, von denen Ortskundige die Krankenwagen zu Unfallstellen im Wald lotsen

Fellbacher ZeitungWeil ein Bächlein über den Weg in der Steudlesklinge plätschert, scheut das Pferd. Die überraschte Reiterin stürzt und rutscht auch noch in die tief eingeschnittene Klinge ab. Nach kurzer Bewusstlosigkeit setzt sie einen Notruf ab, doch der Akku des Handys ist bald leer. Sie ist nur auf eine Genauigkeit von 150 Metern zu orten. – Der Unfall aus dem vergangenen Jahr, den der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch schildert, hat die Retter nachdenklich gemacht ebenso wie zwei weitere schwere Unglücke mit Verletzten im Kernener Wald. Zwar hat die ortskundige Feuerwehr Stetten die verunglückte Frau schließlich ausfindig gemacht, aber wertvolle Zeit ging auch danach verloren: Wie sollte der nicht ortskundige Rettungsdienst zügig die im Wald versteckte Unfallstelle erreichen?

Die Antwort auf diese Frage liegt jetzt vor. Gestern haben Bürgermeister Stefan Altenberger und Bauhofleiter Uwe Heinrich das grüne Schild zum Rettungspunkt 173 montiert, einem von vier Rettungspunkten auf Kernener Gemarkung. Laut den Feuerwehrkommandanten Andreas Wersch und Peter Schneider handelt es sich wahrscheinlich um die erste Tafel zur neuen Rettungskarte im ganzen Landkreis.

Einsatzfahrzeuge sollen künftig durch die Leitstelle an die jeweils nächstliegenden Rettungspunkte dirigiert werden, wenn im Wald ein Unfall gemeldet wird. Dort holen dann ortskundige Helfer der Feuerwehr Notarzt und Krankenwagen ab, um diese schnell und sicher zum Verletzten zu lotsen. Der ganze Rems-Murr-Kreis ist auf der in den Leitstellen hinterlegten neuen Rettungskarte mit solchen durchnummerierten Punkten überzogen. Rettungspunkt 174 liegt an der Brücke über den Stettener Haldenbach am Talende und Waldeingang von Stetten her, die Nummer 175 an der Notrufsäule und Bushaltestelle Katzenkopf auf dem Stettener Sattel, gegenüber der Einfahrt zur Esslinger Mülldeponie, in deren Nähe sich vor einiger Zeit der schwere Unfall eines Mountainbikers ereignet hat. Solche Treffpunkte für das Rendezvous-System von Feuerwehr und Sanitätsfahrzeugen gibt es auch am Wanderparkplatz Blaues Loch in Rommelshausen, bei der Notrufsäule auf dem Kappelberg am Parkplatz Waldschlössle in Fellbach sowie bei der Notrufsäule an der Wegekreuzung der so genannten Abgebrannten Linde zwischen dem Kappelberg und dem Kernen. Alle sind an stark frequentierten Waldwegen.

Die Rettungspunkte sind vom Revierförster und dem Landratsamt gemeinsam festgelegt worden, denn sie sind ursprünglich für die schnelle Bergung verletzter Waldarbeiter gedacht gewesen. Was für die Beschäftigten der Forstverwaltung sinnvoll ist, eignet sich auch für verletzte Bürger. Bürgermeister Altenberger rät Menschen, die viel im Wald sind: ‚Merken Sie sich die Nummer des nächsten Rettungspunkts.‘ Hilfe kommt noch schneller, wenn er schon beim Notruf bekannt ist.

Quelle: FZ vom 25.11.2014, / Text: Hans-Dieter Wolz