Kernen beschildert Rettungspunkte, die Feuerwehr und Co. außerhalb von Ortschaften helfen, Verunglückte aufzuspüren

Auch am Stettener Sängerheim informiert seit gestern ein Schild Spaziergänger, Jogger und Radfahrer: Hier befindet sich einer von vier Kernener Rettungspunkten. Feuerwehr und Sanitäter helfen diese Punkte, im Wald Verunglückte rascher zu finden. Als erste Kommune im Kreis beschildert Kernen die Rettungspunkte – auch, um die Bürger dafür zu sensibilisieren.

Schreckensszenario: Eine Reiterin liegt nach einem Sturz tief in der Nacht bewusstlos in der Kernener Stäudlesklinge. Den Notruf konnte sie noch absetzen, dann war der Handy-Akku leer. Einen genauen Ort konnte die Frau nicht nennen. Feuerwehr und Co. versuchen, die Frau zu lokalisieren, lange vergeblich, auch die GPS-Ortung des ausgeschalteten Handys dauert lange. Nach langem Suchen finden die Rettungskräfte die Frau doch, sie kann mit einer schweren Rückenverletzung geborgen werden. Passiert ist das im vergangenen Herbst.

Kernen ist erste Gemeinde im Kreis, die Rettungspunkte beschildert

„Bei Unfällen außerhalb der Ortschaft geht oft sehr wertvolle Zeit verloren“, sagt der Stettener Feuerwehr-Abteilungskommandant Andreas Wersch. Am gegenüberliegenden Hang des Reitunfallorts, in der Parkplatzeinfahrt des Stettener Sängerheims, haben Feuerwehr und Rettungssanitäter mit tatkräftiger Unterstützung von Bürgermeister Stefan Altenberger gestern ein Schild angebracht, das bei der Suche helfen soll. Es trägt die schlichte Aufschrift: „Rettungspunkt Forst RMK 173“.

Punkt 173 ist der vierte Rettungspunkt in der Gemeinde, der nun beschildert wurde. Die drei anderen Schilder stehen auf der Brücke über den Haldenbach am Stettener Waldeingang, auf dem Parkplatz „Blaues Loch“ in Rommelshausen und an der Notrufsäule bei der Bushaltestelle Katzenkopf in Richtung Esslingen. Kernen ist die erste Gemeinde im Rems-Murr-Kreis, die diese Rettungspunkte beschildern lässt. Die ursprüngliche Idee für die Punkte, an denen sich Rettungskräfte orientieren können, stammt aus Bayern.

Auf Waldwegen sind die Einsatzkräfte oft nicht ortskundig

Der Gedanke dahinter: Unfälle sind in wenig erschlossenen Gebieten meist schwer zu lokalisieren, die Rettungskräfte sind auf Waldwegen in der Regel nicht ortskundig. Bekannt sind der Feuerwehr, dem DRK, der Polizei sowie Forstarbeitern aber diese Rettungspunkte. Bei einem Notfall kann die Leitstelle mittels einer Karte, in der alle Punkte eingezeichnet sind, den nächstgelegenen Punkt an die ausrückenden Helfer weitergeben.

Die Punkte wurden ursprünglich zur Rettung verunglückter Waldarbeiter geschaffen. Sie liegen knapp außerhalb des Waldes an zentralen Zugangsstellen und sind für die Einsatzkräfte ganzjährig mit deren Fahrzeugen zu erreichen. Über die Beschilderung sollen die Rettungspunkte nun auch den Bürgern – Spaziergängern, Mountainbikern, Joggern – bekanntgemacht werden. Feuerwehrkommandant Wersch wünscht sich, dass die Kernener Bürger sich die Rettungspunkte gut einprägen – und so Feuerwehr und Co. beim Einsatz unterstützen können. Einen fünften Rettungspunkt sähe Andreas Wersch gerne in der Nähe des Ortes eingerichtet, an dem sich der Reitunfall letzten Herbst ereignet hat: beim Schützenhaus in der Stäudlesklinge.

20141125-ZVW

Bürgermeister Altenberger, die Feuerwehrkommandanten
Peter Schneider und Andreas Wersch und Martin Maier vom
DRK-Ortsverein Kernen am neuen Rettungspunktschild. Foto: ZVW

WKZ vom 25.11.2014 / Text: Sebastian Striebich