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Herzog Eberhard Ludwig und die Grävenitz

Eberhard Ludwig war schon Halbwaise, als er auf die Welt kam. Aufgewachsen zeitweise im Stettener Schloss, unter der Obhut seiner strengen Mutter Herzogin Magdalena Sybille, der man Stetten als Witwensitz zugewiesen hatte, wurde er bereits mit 16 Jahren vom Kaiser in Wien für volljährig erklärt. Danach folgte, der eher kleinbürgerlichen Welt des Stettener Schlosses entronnen, ein ausschweifendes Leben als absolutistischer Landesfürst. Ganz zum Unwillen der Frau Mama, die wohl auch deshalb gerne zur Porzellantasse griff, um mit „Brotwasser“ den Kummer über den so ganz und gar entratenen Sohnemann zu ertränken.

Woher das Geld für seine Prachtbauten und seine exzessive Hofhaltung kam, war Eberhard Ludwig egal. Ständig erließ er neue Steuern. Er hätte also auch ganz gut in die heuteige Politikwelt gepasst. Sein teuerstes Vergnügen war neben dem Bau des Ludwigsburger Schlosses wohl seine Mätresse, die berühmt-berüchtigte Grävenitz. Ihr schenkte er nach dem Tod der Mutter Dorf und Schloss Stetten, was dem Ort allerdings eher von Nutzen denn zum Schaden war. Grund genug für die Stettener „Feuerwehrfamilie“, den „Stettener“ Eberhard Ludwig wieder einmal in seinem von ihm erbauten Residenzschloss zu besuchen.

Nache einem herzhaften und ausgiebigen Frühstücksbuffett (schließlich darf der Besuch bei einem absolutistischen Fürsten keinesfalls frugal bescheiden
beginnen) starteten gut 50 Mann und Maus mit dem Bus nach Ludwigsburg. Dort erwarten die Besucher drei besondere Kostümführungen: die Damen wurden von der Mätresse in die Geheimnisse der Frauen am Hofe eingeführt. So eine Mätresse weiß einiges zu erzählen: von Glück und Reichtum in der Gunst des Herschers – und vom schnellen Wechsel der fürstlichen Neigungen. Männer waren bei dieser Gruppe ausdrücklich unerwünscht. Die durften stattdessen mit dem Kammerdiener einen Blick in und hinter die Kulissen werfen und erfuhren von so mancher Intrige bei Hofe und über die tragischen Umstände, unter denen Herzog Carl Alexander im Schloss zu Tode kam. Auch für die „Feuerwehrkinder“ gab es eine besondere Kostümführung. So ganz ohne Eltern. „Spannende Geschichten“ lautete der Ttel dieser Sonderführung, und die waren in jedem Fall garantiert.

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