Oder: Jugendfeuerwehr Kernen i.R. goes Berufsfeuerwehr

24 Stunden können lang sein. Oder auch ganz schön kurz. Befragt man die Mitglieder der Kernener Jugendfeuerwehr, waren sie für den „Berufsfeuerwehrtag“ sicher zu kurz. Nun schon zum zweiten Mal führten die Nachwuchslöscher eine „Vierundzwanzigstundenübung“ durch. Das entspricht genau einer klassischen Wachbereitschaftsschicht bei der Berufsfeuerwehr.

Und so wurden die 24 Stunden auch genau einer Bereitschaftsschicht bei der Berufsfeuerwehr angepasst. Oder zumindest so ähnlich. Ausbildungseinheiten, Wartung und Pflege oder Pausen werden dabei immer wieder durch unvorhersehbare Einsätze unterbrochen. „Echte“ Berufsfeuerwehrmänner wie der stellvertretende Kommandant Peter Schneider würden sich vermutlich nach so einer „ruhigen“ Schicht sehnen. Und sicher auch nach der guten Verpflegung – für die in bewährter Weise Andrea Großmann und der stellvertretende Jugendfeuerwehrwart Rainer Stilz sorgten.

Pünktlich freitagabends um 18.00 Uhr ging es los. Zunächst wurde „Quartier gemacht“. Mit Schlafsack und Luftmatratze bewaffnet richteten sich die sieben Jungs und die Jugendfeuerwehrleitung im Lehrsaal des Stettener Gerätehauses für die nächsten 24 Stunden ein. Außerdem wurden die Einsatzbekleidung fein säuberlich geordnet und, wo nötig, die Stiefel geputzt. Danach gab es von Jugendfeuerwehrleiterin Sina Michalke und ihren Helfern Ruben Heß und Thomas Schneider den Tagesbefehl für die nächsten 24 Stunden und Infos zum Ablauf der Übungsbereitschaft. Wichtige Nebenaufgabe: „Grisu“, der kleine Feuerwehrdrache und Maskottchen der Nachwuchslöscher, musste rund um die Uhr bewacht werden – schließlich musste ständig damit gerechnet werden, dass die giftgrüne Plüschfigur von Feuerwehrleuten aus der Einsatzabteilung „entführt“ werden könnte, was wiederum mit einer erklecklichen „Lösegeldforderung“ in Form von Strafdiensten geahndet würde…

Weil sich ein Berufsfeuerwehrmann sein Essen mitunter hart verdienen muss, begann der arbeitsintensive Teil der Übung mit einer Taktik-Schulung für den Feuerwehrnachwuchs. Die Jugendfeuerwehrleute im vorübergehenden Status eines Berufsfeuerwehrmannes mussten sich in die Lage eines Gruppenführers versetzen. Gemeinsam wurden sie vom Kernener Feuerwehrkommandanten Andreas Wersch anhand eines Planbeispiels taktisch geschult: Worauf richtet sich bei einem klassischen Wohnhausbrand (als „echtes“ Szenario via Multimedia an die Leinwand geworfen) das Augenmerk des Einsatzleiters, der für die Mannschaft und den Einsatzerfolg die Verantwortung trägt?

Danach wurden in Kleingruppen weitere Szenarien abgearbeitet und anschließend im Plenum vorgestellt: der Brand eines PKW auf der Hebebühne einer Tankstelle, ein auf der Bundesstraße umgestürzter Tanklastzug mit Gefahrgut oder der Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens im Außenbereich wurden von den Jungs mit erstaunlicher Akribie und Sachkenntnis abgearbeitet, stellte der überraschte Kommandant zufrieden fest. Die folgende Pizza in gleich drei Varianten und der Nachtisch waren folglich hochverdient, ehe mit einem Feuerwehrfilm auf die nächtliche „Ruhephase“ eingestimmt werden sollte.

Doch weit gefehlt: mitten im Film, als es gerade so richtig spannend wurde, unterbrach die „Alarmglocke“ mit ihrem Einsatzruf den scheinbar gemütlichen Teil des Abends. Als erstes „Einsatzobjekt“ galt es, mit dem LF 8-TS einen echten (!) Flächenbrand abzulöschen. Nach dem erfolgreichen Einsatz standen die Fahrzeugpflege und der Austausch der Schläuche auf dem Programm, ebenso die Säuberung der Einsatzbekleidung und das Putzen der Stiefel. Doch plötzlich wurde festgestellt, dass Maskottchen „Grisu“ während des Einsatzes geraubt wurde. Nach längerer Suche wurde der Fall gelöst: die Vorgängergeneration, inzwischen in der Einsatzabteilung aktiv und zur Unterstützung beim Flächenbrand angereist, hatte den Feuerdrachen „entführt“. Ausgelöst wurde er mit einer Runde „Stiefelputzen“ für die Altvorderen. Die Bewachung des Maskottchens wurde nicht zufällig in das Programm genommen. Den Jungfeuerwehrleuten sollte damit gezeigt werden, dass man seine eigentlichen Verantwortlichkeiten nicht vernachlässigen darf, wenn die Alarmglocke schrillt! Zuverlässigkeit ist (nicht nur) bei der Feuerwehr eine wichtige und überlebensnotwendige Tugend.

Nach all der Aufregung wurde der restliche Film angeschaut, bis endlich die Nachtruhe begann. Mancher versuchte, sich krampfhaft wach zu halten, für den Fall, dass es noch zu einem „nächtlichen“ Einsatz kommen sollte. Der kam dann auch, als alle tief und fest schliefen. Gegen 3:15 Uhr weckte das Alarmstichwort „Gebäudebrand – Personen vermisst!“ die sichtlich verschlafenen Jungfeuerwehrler. Eben wie im richtigen Leben der Feuerwehr: man weiß nie, wann einen ein Alarmruf aus dem Schlaf weckt. Hier galt es dann, einen Gebäudebrand zu bekämpfen und eine vermisste Person aufzufinden und sanitätstechnisch zu versorgen. Auch diesem „Einsatz“ folgte die Fahrzeug- und Gerätepflege, eben genauso wie in der Einsatzabteilung oder bei der Berufsfeuerwehr.

Sichtlich müde stieg die Löschmannschaft in ihre Schlafsäcke zurück. Nur von kurzer Dauer: um 7.00 Uhr früh stand bereits der nächste Alarm an – doch zum Glück handelte es sich diesmal nur um den „Fehlalarm“ einer Brandmeldeanlage. Schon einmal wach, wurden die Jugendfeuerwehrleute zum Bäcker geschickt, um frische Brötchen zu holen und das gemeinsame Frühstück zubereitet. Als Stärkung für einen weiteren anstrengenden „Berufsfeuerwehrtag“ und nach einer viel zu kurzen Nacht gab es für jeden eine kräftige Portion Rühreier mit gehörig Speck.

Auf die ausgiebige und nach der anstrengenden Nacht auch wohlverdiente Frühstückspause folgte ein Ausbildungsabschnitt in „Technischer Hilfeleistung“. Die Jugendfeuerwehrmitglieder übten den Ernstfall „Verkehrsunfall“ in der Praxis mit Schneidgerät und hydraulischem Spreizer an einem ausgemusterten PKW.

Nach dem Mittagessen stand der Besuch bei der „echten“ Berufsfeuerwehr auf der Agenda, organisiert von Peter Schneider. Der zeigte den interessierten Jungs seinen „Arbeitsplatz“ auf der Stuttgarter Wache 5, und nach der Besichtigung von Wache und Einsatzfahrzeugen ging es abschließend noch mit dem Korb der Drehleiter in die Höhe. Mancher hatte danach zu Hause viel zu erzählen und landete sicher früher als üblich im Bett, um den versäumten Schlaf nachzuholen. „24 Stunden bei der Feuerwehr sind ganz schön lang und anstrengend“, so das Resümee eines Teilnehmers.