Rettung von Schwergewichtigen

Peter Klumpp ist schon immer gerne in den Alpen rumgekraxelt. Aber als er eines Tages nur mit einem Feuerwehrhaltegurt gesichert auf einem Baukran mit einem potenziellen Selbstmörder verhandelt, wird ihm schlagartig bewusst: Die Möglichkeiten der Seiltechnik werden bei der Feuerwehr stiefmütterlich behandelt. Bei der Rettung von fettleibigen Menschen ist diese Form der Sicherung aber manchmal sogar lebensnotwendig.

Die beiden Beamten der Berufsfeuerwehr Stuttgart, Peter Klumpp und Peter Schneider, waren am Freitag ins Feuerwehrgerätehaus gekommen, um zu berichten, welche Herausforderungen massiv übergewichtige Menschen (Adipositas-Patienten) für Feuerwehr und Rettungsdienst darstellen. Feuerwehrleute aus Kernen, Weinstadt, Waiblingen und Fellbach lauschten den erfahrenen Referenten, die wissen, dass die Rettung von Menschen, die meist weit mehr als 150 Kilogramm auf die Waage bringen, Schwerstarbeit ist.

Der schwerste Fall von Peter Klumpp wog mehr als 400 Kilogramm, der Sessel war über die Jahre zu dessen Dauerwohnsitz geworden. Aber was tun, wenn ein Adipositas-Patient in die Klinik muss, aber zu schwer für die Trage ist? Und wie schafft man es, einen fettleibigen Menschen zu retten, ohne seine Würde zu verletzen?

Wenn der Körper des Patienten über der Krankentrage hängt, ist die Gefahr groß, dass man ihn im Treppenhaus einklemmt. Ist der Patient zu schwer, können Stufen zusammenbrechen. Auch der Korb einer Drehleiter hält nicht jedes Gewicht aus. „Manchmal scheitert eine ausgeklügelte Seilkonstruktion, weil das Treppenhaus zu eng ist“, sagte Klumpp. Er gehört zu der vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufenen Einheit der Höhenrettung. Der Feuerwehrbeamte ist sich sicher: „In 99 Prozent der Fälle kann die Feuerwehr alleine die XXL-Patienten aus Höhen und Tiefen retten.“ Dazu brauche es ein wenig Ausbildung und viele gute standardisierte Geräte.

Der Feuerwehrbeamte empfahl den Kollegen eine Brückenkonstruktion, bei der die Drehleiter auf dem Dach des entsprechenden Gebäudes aufliegt. „Jetzt kann man die Drehleiter wie einen Balken nutzen“, erklärte Klumpp. An der Drehleiter werden Seilzüge befestigt, mit denen dann die Schwerlasttrage mit dem Patienten zur Straße herabgelassen wird.

Berufsfeuerwehrmann Peter Schneider, der auch Abteilungskommandant der Feuerwehr Kernen ist, zeigte Bilder von gelungenen Einsätzen mit Adipositas-Patienten. „Es gab Leute, die nicht mehr durch die eigene Tür gepasst haben“, erzählte er. Da musste die Feuerwehr in der Not eben ein Stück Wand weghauen. „In der Zukunft wird es immer mehr Adipositas-Einsätze geben“, sagte Schneider. Auf diese Situation müssten sich nicht nur Rettungsdienste und Feuerwehren, sondern auch Krankenhäuser einstellen.

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 06.02.2012 / Text: Sascha Sauer