Patienten, die über 150 Kilo wiegen, können für Rettungsdienste zum Problem werden. Ihre Masse überfordert nicht nur die Einsatzkräfte. Auch die Transportfahrzeuge können die Körperfülle oft nicht bewältigen, obwohl die Traglast von Rettungswagen von 120 auf 180 Kilogramm erhöht wurde. Im Notfall wird die Feuerwehr gerufen. Die Rommelshausener Abteilung hat dafür eigens fünf Leute ausbilden lassen.

„Wir hatten 2011 zwei Einsätze mit Adipositas-Patienten in Rommelshausen. Es waren Notfalleinsätze. Die Personen mussten dringend in die Klinik“, berichtet der Römer Abteilungskommandant Peter Schneider. Er, der im Hauptberuf in einer Person Berufsfeuerwehrmann in Stuttgart und Rettungsassistent ist, kennt das Problem, mit technischen Hilfsmitteln massiv übergewichtigen Menschen aus der Wohnung in die Klinik zu helfen, aus der Doppelperspektive des DRK-Sanitäters und des Feuerwehraktiven. „Es ist ein heikles Thema, bei dem sich die Leute schämen“, sagt er. „Unsere Hilfe im Notfall soll ja patientenorientiert, sie soll würdig sein.“

99 Prozent lassen sich mit dem vorhandenen Gerät abdecken
„Wenn der Rettungsdienst nicht klarkommt, wird die Feuerwehr angefordert. Die Patienten muss man dann immer erhöht lagern, dass sie nicht an der eigenen Masse ersticken“, so Schneider. Die Römer Wehr sei hier gerade in der Entwicklungsphase. In der Abteilung hätten fünf Kameraden zur Transporthilfe bei notfallmedizinischer Erstversorgung sogenannter Adipositas-Patienten eine Ausbildung absolviert. Aber nicht jede Wehr müsse alles haben, betont der Rettungs-Profi. So verfüge der Stettener Rüstwagen über den Dreibock und die Schleifkorbtrage. Doch wenn das Körpervolumen das Fassungsvermögen dieser Standardtrage überschreitet, muss das Tragetuch herhalten, das eine Belastung von maximal 500 Kilogramm trägt. „Eine 81 Zentimeter breite XXL-Trage, mit der man durch die Fenster kommt, haben wir nicht. Aber für den Transport-Notfall steht die Stützpunktfeuerwehr Fellbach mit der Drehleiter und Schwerlasttrage bereit.“

Es ist nicht nur das Gewicht der Patienten, das die Einsatzkräfte fordert. Die Massen, die Fettschürzen und damit das Volumen der Adipositas-Patienten verlangen logistische Vorkehrungen, zumal die Schützlinge nicht immer gehfähig sind. „Mit dem vorhandenen Gerät kann man 99 Prozent aller Einsätze abdecken“, erklärt Abteilungskommandant Peter Schneider. „Für das restliche Prozent hält jeder Regierungsbezirk seine Höhenrettung vor.“

Bei einem Körpergewicht von 250 Kilogramm braucht es acht Helfer, die den Patienten tragen. Im Treppenhaus benötigt die Feuerwehr dafür bestimmte Laufbreiten. Das Treppengeländer muss stabil genug sein, denn der Körperdruck der Helfer lastet auf ihm. Und man kommt ins Rechnen, weiß der Römer Feuerwehrmann. Denn wenn die definierte Traglast des Treppenhauses von acht stämmigen Helfern der Feuerwehr und einer Person, die vier Zentner wiegt, überschritten wird, drohen Risse. Der Kran einer örtlichen Baufirma könne in den Fällen helfen, wenn man mit der Drehleiter nicht mehr weiterkommt. „Die letzte Möglichkeit ist der Höhenrettungsdienst“, sagt Peter Schneider.

Fast jeder Rüstwagen verfügt über eine 65 Zentimeter breite Wanne für die einfache Rettung von Personen mit bis zu 256 Kilo Gewicht. „65 Zentimeter ist nicht viel“, sagt Schneider. Die XXL-Trage mit 81 Zentimeter Breite, die sich bis zu 45 Grad neigen lässt, kann theoretisch 1000 Kilo halten. „Das ist rein rechnerisch“, relativiert der Abteilungschef. „Aber ich muss mir hier keine Sorgen machen, wie schwer der Patient ist.“ Als Rettungshelfer weiß er aber um Risiken: „Ein Patient kann am eigenen Körpergewicht ersticken. Hautfalten können eingeklemmt werden.“

Pandemie
Die Hilfe für schwer übergewichtige Patienten wird die Feuerwehren immer stärker beanspruchen. In den USA gelten 30 Prozent der Einwohner als adipös. Die Zahl steigt in Industrieländern wie auch in Schwellenländern. Die WHO spricht von Pandemie.

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung vom 10.02.2012 / Text: Hans-Joachim Schechinger