Dramatische Szenen haben sich gestern unterhalb des Klettergartens abgespielt: Ein Hund musste aus einem Entwässerungsrohr befreit werden.

Herrchen und Frauchen von Kimby verfolgen mit bangen Blicken das Geschehen am Waldrand: Nachdem die Mischlingshündin gestern gegen 13.30 Uhr in ein Straßenentwässerungsrohr unterhalb der Weinberge marschiert und nicht mehr herausgekommen war, hatten die beiden die Feuerwehr alarmiert. Die Abteilung Stetten war daraufhin mit neun Mann ausgerückt – und hatte drei Mitarbeiter vom Kernener Bauhof als Verstärkung geordert. Denn es gab keine andere Möglichkeit, die Hündin zu retten, als die Straße aufzugraben und den Rohrübergang freizulegen.

Das hört sich allerdings einfacher an, als es war: Etwa fünf Kubikmeter Erde und Straßenmaterial musste der Bagger wegschaufeln, bevor die Rohrleitung zu sehen war. Dann ging es an die schweißtreibende Feinarbeit: Mit einer Spitzhacke und kräftigen Schwüngen musste ein Feuerwehrmann nach und nach die Erde rund ums Rohr abtragen. Von einem Einstiegsschacht ein paar Meter weiter hatten die Spezialisten ausgemessen, wo eine günstige Rohrverbindung lag, die getrennt werden konnte. Und von diesem Einstieg aus konnten die Retter auch Kimby sehen, die zitternd am Ende des Betonrohrs hockte und nicht mehr vor und zurück kam. „Das hat sie noch nie gemacht“, erzählte die „Mit-Gassi-Geherin“. Und machte sich Sorgen: „Kimby ist herzkrank.“ Sie befürchtete, dass der Stress für die 13-jährige Hündin vielleicht zuviel sei. Immerhin hatten die Helfer eine Lampe in das Rohr gelegt, damit die Hündin nicht im Dunkeln saß.

Inzwischen arbeiteten die Helfer auf Hochtouren. Immer mehr Steine und Betonbrocken rund um das Betonrohr konnten an der Verbindung entfernt werden, wo das Plastikrohr mündete. Dann tauchte jedoch die Frage auf, wie der Zugang frei zu legen sei. Denn das Rohr aufzuflexen hätte für den Hund in dem engen Kanal einen unerträglichen Lärmpegel verursacht. Also wurde einfach eine Schlaufe drumgelegt und das Plastik solange hochgezogen, bis es brach. Doch damit war die Arbeit noch nicht beendet: weitere Steine und Erde mussten in Handarbeit weggeräumt werden, bis dann – endlich – der Weg frei war.

Theoretisch, denn bis dahin war Kimby so verwettert und ausgekühlt, dass sie trotz gutem Zureden ihrer beiden Bezugspersonen keine Reaktion zeigte. Sie blieb trotz rufen und locken hocken, wo sie war – etwa zwei Meter weg von der Öffnung. Da war guter Rat teuer. Eine Stange mit Haken musste her, um die Hündin am Halsband rauszuziehen. Doch woher nehmen? Kurz entschlossen wurde ein langer Ast gekappt und mit einem Metallstab, dessen Öse zum Haken abgeknipst wurde, zusammengebunden. Und es funktionierte: Eine zitternde Kimby wurde ans Licht gezogen und es brandete Beifall auf: für die erfolgreichen Retter und die Gerettete. Wer für die Kosten von etwa 10 000 bis 15 000 Euro aufkommt, wird erst nach dem Happy End geklärt.

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 02.03.2011 / Text: Gabriele Lindenberg