Kerner – Es ist halt der Jagdinstinkt, was soll man machen. Kimby, eine 13 Jahre alte Hundedame, konnte nicht mehr an sich halten, als sie in einem vermeintlichen Bau die Fährte eines Fuchses oder Dachses aufnahm. Am frühen Dienstagnachmittag war Kimby mit Herrchen und Frauchen beim Spaziergang im idyllischen Haldenbachtal im Ortsteil Stetten (Rems-Murr-Kreis) unterwegs – als plötzlich in ihr der Instinkt eines Jagdhundmischlings erwachte. In der Verlängerung der Hindenburgstraße, unterhalb von Eichensee, schlüpfte die Hündin in ein Abwasserrohr – und steckte plötzlich ganz erbärmlich in der Falle.

Die Leitstelle der Waiblinger Feuerwehr erfuhr durch einen Notruf um 13.53 Uhr von Kimbys Verhängnis. Nach zehn Metern steckte die neugierige Hündin fest – und wimmerte erbärmlich. Ihre Besitzer aus Fellbach konnten nichts tun, außer die Rettungskräfte zu alarmieren. Neun Feuerwehrleute und drei Mitarbeiter des Bauhofs schritten zur Rettungsaktion mit Bagger.

Mit einem Laser wurde die verhängnisvolle Lage der Hündin geortet, dann grub die Baggerschaufel den Asphalt auf. Für die herzkranke Hundedame war’s ein tierischer Stress, als 1,50 Meter über ihr Baggerschaufel und Meißel hämmerten. „Wir haben einen Mitarbeiter in den Kanal geschickt und ein Funkgerät in die Nähe des Hundes bugsiert“, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Wersch, „die Stimme von Herrchen hat das Tier etwas beruhigen können.“

Doch auch als der Weg schon freigeschaufelt schien, wurde es noch einmal brenzlig. Kimby war völlig entkräftet, konnte sich nicht mehr selbst nach draußen retten. „Oben in der Sonne hatte es um die zehn Grad Celsius“, sagt Wersch, „aber im Rohr dürfte es höchstens drei bis vier Grad haben.“ Die Hündin war unterkühlt – und rutschte noch weiter ab. Mit einem Haken konnten die Retter schließlich so etwas wie Geburtshilfe leisten. Gegen 17 Uhr, nach fast drei Stunden, kam die Fellbacher Hündin wieder ans Tageslicht.

Es ist halt der Jagdinstinkt, was soll man machen: Nicht zum ersten Mal mussten Rettungskräfte allzu neugierige Hunde aus Abwasserrohren befreien. Im Oktober 2009 waren es gleich zwei Hunde, die in einem Weinberg in Bönnigheim, Kreis Ludwigsburg, feststeckten. Auch dort musste ein Bagger ran, um beide Vierbeiner zu retten.

Im Januar desselben Jahres gab es eine spektakuläre sechsstündige Rettungsaktion am Rande des Stuttgarter Flughafens, als Jagdhund Gero beim Steppach-Stausee auf Filderstädter Gemarkung in einem Kanalisationsrohr verschwand. Bei einer Treibjagd hatte er einen Fuchs verfolgt, blieb dann im Rohr mit 30 Zentimeter Durchmesser stecken. Erst am Abend konnte der völlig erschöpfte Gero aus 1,60 Meter Tiefe freigeschaufelt werden.

Fellbacher Hunde scheinen in der Region eine besondere Rolle zu spielen: Ein Jack-Russell-Terrier sorgte für sich und seine 68-jährige Besitzerin im April 2006 für Aufregung. Er blieb im sechs Meter tiefen Kanal stecken. Im Juni 2006 war es eine Rauhaardackeldame namens Ismin, die in Stuttgart-Feuerbach in einem Waldstück spurlos verschwand. Erst am nächsten Morgen wurde die zehnjährige Dackeldame von einem Spaziergänger entdeckt, als er im Abwasserkanal ein Winseln vernahm. Übrigens: Nicht immer musste ein Bagger ran. In Filderstadt, im November 2003, genügten bei Dackel Bobby zwei Wiener Würstchen.

Stuttgarter Nachrichten vom 02.03.2011 / Text: Wolf-Dieter Obst