Bei der Hauptversammlung der Stettener Feuerwehr drängten Kommandant Wersch und Harald Pflüger auf höhere Sätze

Kernen-Stetten. Feuer und Flamme sein reicht nicht bei der Feuerwehr. Sie braucht hochwertiges Gerät, denn leistungsfähige Ausrüstung motiviert die Kameraden. Dieses Jahr erhält die Abteilung Stetten ein Einsatzleitfahrzeug. Und die Leistungsträger, die Fahrzeuge und Technik warten, sollen für ihren Aufwand höher bzw. erstmals entschädigt werden. Für Kommandant Wersch ein Muss.

Ausgezeichnet für 25 Jahre Dienst in der Stettener Abteilung: Markus Medinger (Zweiter von links) neben Bürgermeister Stefan Altenberger, Vize-Kreisbrandmeister Harald Pflüger und dem Kernener Gesamtkommandanten Andreas Wersch (von links). Bild: Schneider

Dass das Thema einer erhöhten Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Leistungsträger der Kernener Feuerwehr im Gemeinderat vor drei Wochen überraschend von der Tagsordnung genommen wurde, streifte der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch bei der jüngsten Hauptversammlung in Stetten nur am Rande. Doch das Anliegen einer finanziellen Aufwertung des Ehrenamtes, hinter das sich im Stettener Feuerwehrmagazin auch Harald Pflüger, der Vize-Kreisbrandmeister, stellte, treibt die Wehr um. „Viele fleißige Helfer arbeiten unzählige Stunden im Jahr und bekommen hierfür bislang keine oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung“, sagte Wersch. Es gehe darum, die seit 1996 unveränderten Sätze endlich anzupassen.

Harald Pflüger: „Da ist nichts verdient“

In die Satzung neu aufgenommen werden sollen etwa der Funkgerätewart, der Leiter der Atemschutzverwaltung und der Betreuer der Feuerwehr-Homepage. Die Sätze für andere Funktionsträger wie die Geräteverwalter wollen Feuerwehr und Rathaus aufstocken. Wersch verriet seinen 55 Stettener Kameraden, er habe als Deckungsvorschlag sogar angeboten, die Entgelte der Kommandanten zu reduzieren, doch Bürgermeister Altenberger habe sein Ansinnen abgelehnt. Nun nimmt der Gesamtkommandant die auf Wunsch einer Kernener Ratsfraktion in den nichtöffentlichen Teil des Verwaltungsausschusses verlegte Vorberatung als Signal, dass „die von uns vorgeschlagenen Beträge zu niedrig sind“. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Harald Pflüger, der Vizekreisbrandmeister, stärkte dem Kernener Kollegen jedenfalls den Rücken: „Fordern Sie, dass die Aufwandsentschädigung angehoben wird, denn nur der Aufwand, den die Feuerwehrkameraden haben, soll hier gedeckt werden. Da ist nichts verdient.“

Andreas Wersch sprach in seinem launigen Bericht auch den Frauenanteil in der Freiwilligen Feuerwehr an, den der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) mittelfristig verdoppeln will. Damit soll, zusammen mit der Erhöhung des Migrantenanteils in den Abteilungen, ihr Mitgliederschwund kompensiert werden. Die feuerwehrtaktischen Vorgaben bereiteten vielen Feuerwehren mittlerweile Schwierigkeiten, weil ihnen tagsüber das Personal fehle. Bundesweit liegt die Frauenquote aktuell bei sieben Prozent. „Hier bei uns in Kernen, wo immerhin sieben Frauen Dienst tun, sind wir ebenfalls bei sieben Prozent, also voll im Trend. Mancher wäre froh, er würde auf sieben Prozent kommen“, foppte der knitze Wersch, seines Zeichens CDU-Fraktionschef, den FDP-Landtagskandidaten Jochen Haußmann, der mit CDU-Bewerber Claus Paal unter den Gästen saß. Als Wersch dann dem Rommelshausener Kreisrat noch ein hochprozentiges Dankeschön fürs Grußwort in die Hand drückte, einen Stettener Birnenschnaps, konnte es sich Altersfeuerwehrler Emil Knoll (CDU) nicht verkneifen: „Da ist aber mehr als sieben Prozent drin.“

Mit ein Grund für das bislang geringe Interesse von Frauen am aktiven Feuerwehrdienst: die mangelnde Vereinbarkeit von Ehrenamt und Familie. Fünf Frauen tun in Stetten Dienst, zwei in Rom. Die freiwilligen Helfer, die technisch hoch komplizierte Geräte bedienen müssen, sind rund um die Uhr im Einsatz. 2010 waren die Stettener 45-mal vor Ort – ihr Beitrag zu den insgesamt 64 Einsätzen der Kernener Gesamtwehr und damit ein Anteil, der die organisatorisch enge Verzahnung der Ortsteilwehren Stetten und Rommelshausen schlagend belegt. Und nebenbei renovierten die Feuerwehrleute vergangenes Jahr in 300 Arbeitsstunden die Stettener Fahrzeughalle. Material und Farbe hat das Rathaus gestiftet.

„Neue Vorhänge. Dabei sind die alten nicht mal abgeschrieben“

„Einsatzzahlen für sich sagen noch nicht viel aus“, wusste der Winnender Kommandant Harald Pflüger. „Was uns Probleme macht: Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen. Das sind keine technischen Defekte, sondern Fehlbedienungen.“ Auch die Stettener Kameraden können ein Lied davon singen. Einsätze, die sich vor Ort als Fehlalarme herausstellen, frustrieren.

96 000 Euro hat die Kommune 2010 in die zwei Kernener Feuerwehrgerätehäuser gesteckt. Die Entschädigungsatzung soll 2011 angepasst werden. „Und auch das Feuerwehrbudget wollen wir erhöhen. Dann gibt es keine Gründe mehr, das Budget zu überziehen“, sagte Bürgermeister Stefan Altenberger. Sein Blick streifte über die neuen Gardinen im Lehrsaal. „Und jetzt haben wir hier nach 40 Jahren auch noch neue Vorhänge, obwohl die alten noch gar nicht abgeschrieben sind.“ Ob’s ihm die Stettener Feuerwehr am Wahltag dankt?

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung vom 14.02.2010