Quelle: Waiblinger Kreiszeitung vom 27.03.2017 / Text: Wolfgang Gleich

Peter Schneider macht auf der Versammlung der Abteilung Rommelshausen auf Probleme der Feuerwehr aufmerksam

Elektroautos, Kohlenmonoxid, Parkplätze und Dreißigerzonen waren unter anderem die Schwerpunktthemen bei der Jahreshauptversammlung der Abteilung Rommelshausen der Feuerwehr Kernen. Auf die damit zusammenhängenden Probleme wies Abteilungskommandant Peter Schneider in seinem Rechenschaftsbericht hin.

Weitere Dreißigerzonen in Kernen, führte Schneider vergangenen Freitagabend in der Alten Kelter aus, würden die Feuerwehrangehörigen nach der Alarmierung daran hindern, schnellstmöglich zum Feuerwehrgerätehaus zu gelangen. Dadurch würde es dann auch zu einem Problem werden, die vorgegebenen Hilfsfristen einzuhalten, soll heißen, rechtzeitig zum Einsatzort zu gelangen. „Nicht wir haben den Wunsch, Hilfsfristen einzuhalten, es handelt sich dabei um gesetzliche Vorgaben, deren Einhaltung sicherzustellen Pflicht der Gemeinde ist“, stellte er klar. Schneider verwies diesbezüglich auf vier Stettener Feuerwehrangehörige, die akut vom Entzug der Fahrerlaubnis bedroht seien, weil sie in einer Dreißigerzone mit 52 respektive 56 Stundenkilometer zum Einsatz fuhren.

Abriss des Milchhäusles: Zusätzliche Parkplätze für die Feuerwehr

Bürgermeister Stefan Altenberger erklärte dazu, dass sich die Gemeinde bei dieser Frage im Zwiespalt befinde. Dreißigerzonen in den Hauptdurchgangsstraßen dienten dazu, die Anwohner vor Lärm und Verkehr zu schützen und ihre Lebensqualität zu sichern. Er forderte, dass man eine gesetzliche Sonderregelung für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz treffen solle, „aber wir sind bei der Landesregierung ja in guten Händen.“ Er verwies darauf, dass durch den Abriss des Milchhäusles ja zusätzliche Parkmöglichkeiten für die Feuerwehrangehörigen geschaffen würden, was es diesen dann ja auch wieder erleichtere, die Hilfsfristen einzuhalten.

„Wir freuen uns auf die zusätzlichen Parkplätze“, hatte Kommandant Schneider eingeräumt. Aber sie entstünden nicht auf Wunsch der Feuerwehrangehörigen hin, „sondern es handelt sich dabei um gesetzliche Vorgaben.“ Es sei schade, dass die Feuerwehr erst aus der Presse über diese Pläne erfahren habe. Er wünscht sich zudem, dass die Feuerwehrparkplätze nicht weiterhin nachts regelmäßig von Unberechtigten zugeparkt werden. Aus dem Bericht des Kommandanten war zu erfahren, dass 2016 wieder ein Jahr war, das die Römer Floriansjünger in Atem gehalten hatte. Insgesamt 53-mal sei die Abteilung Rommelshausen ausgerückt, darunter auch am 21. Dezember ins Gewerbegebiet „Auf der Höhe“ zum „größten Brand in Rommelshausens Nachkriegsgeschichte“. Der Einsatz habe insgesamt 32 Stunden gedauert, mehr als 140 Angehörige von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten und Stadt seien im Einsatz gewesen. Dass die Bewohner des Gebäudes die Katastrophe überlebten, sei nur dem beherzten Einsatz der Polizeistreife zu verdanken, die als erste vor Ort eingetroffen war. Die Zusammenarbeit sei vorbildlich verlaufen und habe sich wieder einmal bewährt, bestätigte gern auch die Leiterin des Polizeipostens, Polizeioberkommissarin Heike Reichenecker. Schneider wies darauf hin, dass „die den Feuerwehrangehörigen übertragenen Aufgaben immer mehr und vielfältiger werden“. Dazu benötige man die entsprechende Ausrüstung, Ausbildung und auch das Personal, nämlich Spezialisten. Dies gelte nicht nur, um in Notfällen in einbruchssichere Wohnungen einzudringen, sondern zum Beispiel auch bei brennenden Elektroautos. Das Löschen von brennenden Fahrzeugen gehöre zum Feuerwehralltag. Die besondere Gefahr gehe bei Elektroautos nicht nur vom Knallgas aus, das sich durch die Batterien entwickeln könne, sondern auch durch die elektrische Spannung von bis zu 650 Volt, die in Form eines Lichtbogens auf das Strahlrohr überspringen und zu einem für den Feuerwehrangehörigen tödlichen Stromstoß führen könne. „Und vor allem nachts ist es schwer, bei einem brennenden Fahrzeug zu erkennen, ob es sich um eines mit Verbrennungs- oder Elektromotor handelt. Es gab bereits mehrere Einsätze mit dieser Problematik“, so Schneider, „bisher glücklicherweise ohne Verletzte“.

Dankbar sei man dafür, dass die Feuerwehr 2017, wenn auch als eine der Letzten im Kreis, mit Kohlenmonoxidmeldern ausgerüstet werde. Dieses farb- und geruchlose, schnell tödlich wirkende Gas entwickle sich zu einer wachsenden Bedrohung, je besser Wohnräume abgedichtet werden. Es entstehe bei unvollständigen Verbrennungen, zum Beispiel bei defekten Ölheizungen und Gasthermen, bei Holz- und Kohleheizungen oder in Shishabars. Tückischerweise wird es laut Peter Schneider selbst von Holzpellets abgegeben. 80 Prozent der Kohlenmonoxidvergiftungen würden überhaupt nicht erkannt, sie könnten zu Übelkeit und Kopfschmerzen führen, noch nach sechs Wochen zu Angstzuständen, Psychosen, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Der von Kohlenmonoxid verursachte Tod einer 31-jährigen Feuerwehrangehörigen vor einigen Monaten in Aalen beweise, welche Gefahr gerade für Feuerwehrleute von diesem Gas ausgehe.