Karl Knoblauch will ein Kernener Feuerwehrgerätehaus bei der Hangweide / Andreas Wersch: Hilfszeiten reichen nicht

Waiblinger KreiszeitungAus Sicht des früheren SPD-Gemeinderates Karl Knoblauch böte die verlängerte Friedrichstraße zum Wohnquartier Hangweide mittelfristig die Chance, die zwei Feuerwehrmagazine aus den Dorfmitten heraus an einen zentralen, leicht erreichbaren Standort am Ortsrand zu holen. Kommandant Wersch winkt ab. Er sieht Probleme mit den Hilfsfristen und fürchtet die Kosten.

Der Antrag der Kernener SPD, das Römer Milchhäusle dem italienischen Kulturverein als Domizil zu geben, während die Römer Feuerwehr es abreißen will, weil sie über fehlende Parkplätze für anrückende Kameraden klagt, lässt Karl Knoblauch die Grundsatzfrage stellen: Sollten die Teilortswehren nicht ohnehin wie andernorts die beengten Ortsmitten verlassen? Seines Erachtens wäre das Gelände zwischen Sportvereinszentrum und Hangweide mittelfristig ein geeigneter Standort. Dass die Hangweide ohnehin in den nächsten Jahren neues Wohnquartier werden und über die verlängerte Friedrichstraße angebunden werden soll, spreche für die Option, ein leicht erreichbares zentrales Feuerwehrmagazin in Ortsrandlage zu bauen.

„Wenn dies gewollt wäre, müsste dies planerisch ausgewiesen und gesichert werden“, schrieb Karl Knoblauch vor Wochen Bauamtschef Horst Schaal. „Aus heutiger Sicht würde man meines Erachtens an dieser Stelle ohnehin kein Feuerwehrgerätehaus mehr erstellen.“ Legte man anstelle des Milchhäusles wie von der Bauverwaltung in Planung weitere Parkflächen an, „so wird das Freihalten der Parkplätze für Feuerwehr-Angehörige das entscheidende Problem sein.“ Denn der Parkdruck im unmittelbaren Wohnumfeld und den nahen Gaststätten sei dort das Hauptthema.

Beigeordneter Horst Schaal gibt Knoblauch im Grundsatz recht

Gestern merkte der frühere Rommelshausener SPD-Gemeinderat noch an: „Mir hat dieses Gebäude nie gefallen. Als sich zeigte, dass die Torhöhe für ein neues Fahrzeug nicht reicht, wurde das nur noch bestätigt.“ Ob die Bausubstanz heutigen Anforderungen gerecht werde, sei eh die Frage. In seinem Antwortschreiben gab ihm Beigeordneter Horst Schaal im Prinzip recht: „In der Tat werden neue Fahrzeughäuser heutzutage vorzugsweise an einer verkehrlich gut erschlossenen Situation in der Ortsrandlage erstellt, so dass die Feuerwehrleute schneller zu ihren Einsatzfahrzeugen kommen können als in der verkehrsberuhigten Ortsmitte.“ Innerorts seien die Straßenquerschnitte in der Regel verringert worden. Teilweise würden auch gezielt Engstellen geschaffen, um die Fahrgeschwindigkeit zu verringern.

Tatsächlich ist die Frage, ob nicht mittelfristig ein neues, gemeinsames Feuerwehrmagazin für Rommelshausen und Stetten im Bereich der Hangweide errichtet werden sollte, im Rathaus mehrfach diskutiert worden. Indes wollten beide Feuerwehrabteilungen aktuell an ihren Standorten festhalten, schreibt Horst Schaal. Eine Feststellung, hinter der die Kommandanten Andreas Wersch und Peter Schneider unverrückbar stehen. Die vom Kernener Gemeinderat gutgeheißene Bedarfsplanung der Feuerwehr aus dem Jahr 2010, die nächstes Jahr aktualisiert werde, habe die Teilortstruktur mit zwei Standorten aus gutem Grunde festgeschrieben, betonte Gesamtkommandant Andreas Wersch gestern. „Wir könnten die Hilfsfristen nicht einhalten, wenn ein Magazin beim Wohngebiet Hangweide errichtet würde. Wenn, dann oberhalb der Hangweide beim Weingut Konzmann, dort wäre es zumindest denkbar.“

„Wir brauchen in Stetten ein Gerätehaus – was wäre gewonnen?“

Aber auch diese Option sei derzeit kein Thema. Ohnehin müsste in Stetten so oder so ein Löschfahrzeug vorgehalten werden. „Wir brauchen dort ein Gerätehaus. Was wäre gewonnen?“ Nach Werschs Berechnungen, die der Feuerwehrbedarfsplan mit der gemeinsamen Alarm- und Ausrückordnung bestätigt, wäre Stetten mit einem zentralen Feuerwehrgerätehaus beim Wohngebiet Hangweide „abgehängt. Bis die Stettener Einsatzkräfte dort sind, kommen ihnen auf ihrem Weg die aus Rommelshausen schon entgegen. Da würden einige Stettener Kameraden sicher sagen: Was soll ich noch bei der Feuerwehr?“ Die Fellbacher Drehleiter habe im Winter bei Schnee ohnehin Probleme, an der Hangweide hochzukommen. „Und das neue Feuerwehrgerätehaus kostet viel Geld. Das wäre kein Nullsummenspiel. Wir würden drauflegen.“

Karl Knoblauchs Vorschlag greife vielleicht in zehn bis 15 Jahren, gesteht der Stettener Wersch zu, wenn sich die Feuerwehr wegen des Rückgangs der Personalstärken in den Abteilungen neu aufstellen müsse. „Dann kann man darüber reden.“ Für den Römer Karl Knoblauch stellt sich die Alternative in anderem Lichte dar. Es gehe um „Kernen oder Ortsteildenken.“

Quelle: WKZ vom 21.06.2014 / Text: Hans-Joachim Schechinger