Die Freiwillige Feuerwehr Kernen übt den Ernstfall bei der Diakonie

Fellbacher ZeitungDie Brandlöscher verzichteten darauf, mit lautem Tatütata vorzufahren. Das Blaulicht musste genügen, sonst wäre der Auftrieb von Neugierige vermutlich zu groß gewesen. Schließlich fand die Übung auf sensiblem Boden statt. Die Freiwillige Feuerwehr Kernen hatte am Freitagabend einen von langer Hand geplanten brenzligen Einsatz auf dem Gelände der Diakonie Stetten.

Kommandant Andreas Wersch war mit einem Teil des Führungsstabs lange vor der Mannschaft vor Ort an der Heizzentrale im Bereich Unterer Schlossberg. Alles war generalstabsmäßig vorbereitet. Das realistische Übungsszenario ging von einem Brand in der Heizzentrale der Diakonie Stetten aus. Besonders brisant war, dass sich wegen Wartungsarbeiten eine unbekannte Anzahl Handwerker im Gebäude aufhielten. Weil der Weg ins Freie durch Rauch versperrt war, mussten die Feuerwehrleute davon ausgehen, dass sich mehrere davon intuitiv in den Versorgungsgang flüchteten, der sich wie ein Spinnennetz im Untergrund durch das gesamte Gelände zieht.

In dem Tunnelsystem können sich selbst kleinere Menschen oft nur gebückt, an manchen Stellen sogar nur kriechend fortbewegen. Für die Mitglieder des Atemschutztrupps war der Abstieg in den dunklen, engen Gang Schwerstarbeit. ‚Normalerweise hält die Luft etwa 20 Minuten, doch bei diesen Anstrengungen reicht es manchmal nicht ganz so lang‘, sagte Hermann Edelmaier, der den Atemschutz überwachte und per Funk dafür sorgte, dass keiner zu lang in den engen Gängen blieb.

Während sich ein Teil der Stettener Mannschaft durch den Untergrund kämpfte, rückten die ‚Römer‘ oberirdisch mit der Steckleiter auf den Balkon vor. Dort wartete ein offensichtlich verletzter Handwerker auf Rettung. Er war nach draußen geflüchtet, weil sich im Gebäude der Brandrauch immer weiter ausgebreitet hatte. Es dauerte nicht lange, bis die Einsatzkräfte zu dem Mann vorgedrungen waren, ihn vorsichtig über die Leiter nach unten gebracht und auf eine Trage gebettet hatte.

Mittlerweile hatten die Stettener auch alle vermissten Handwerker, die in diesem Fall von Puppen gespielt wurden, eingesammelt und nach draußen gebracht. Die Funktionsträger waren zufrieden. ‚Für uns ist es wichtig, dass wir uns auf dem Diakonie-Gelände gut auskennen, das ist für die Bewohner und für uns eine Lebensversicherung‘, sagte der Kernener Kommandant Andreas Wersch.

FZ20140407
Hermann Edelmaier (links) kontrolliert die Luftversorgung der Einsatzkräfte beim Üben auf dem Gelände
der Diakonie. Foto: Eva Herschmann

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 07.04.2014, Eva Herschmann