Am Sonntagmorgen startet ein Konvoi aus dem Rems-Murr-Kreis in den Partnerkreis Meißen.

Waiblinger KreiszeitungBisher ist Meißen ohne Hilfe aus dem Partnerlandkreis Rems-Murr ausgekommen. Wie geholfen werden kann, sollte eine kleine Delegation aus Waiblingen übers Wochenende vor Ort auskundschaften. Der Rems-Murr-Kreis stellt im Moment einen Konvoi mit Gerät und Einsatzkräften für den Partnerlandkreis zusammen, die die Kommunen an Rems und Murr für die nunmehr anstehenden Aufräumarbeiten zur Verfügung stellen. Der Konvoi startet am Sonntag in Backnang.

Auch wer nicht selbst direkt vor Ort mit anpacken kann, könne den vom Hochwasser gebeutelten Menschen zur Seite stehen, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes. Denn die Schäden durch die Flutkatastrophe seien immens. Daher hat der Rems-Murr-Kreis bei der Kreissparkasse Waiblingen ein Spendenkonto für die Hochwasserhilfe Meißen eingerichtet. „Es trifft mich sehr zu sehen, wie unser Partnerlandkreis in so kurzer Zeit nun schon zum zweiten Mal hart vom Hochwasser getroffen wurde“, sagt Landrat Johannes Fuchs. „Schon 2002 hat sich gezeigt, wie wertvoll die Fluthilfe aus dem Rems-Murr-Kreis war und wie dankbar sie von den Menschen in Meißen aufgenommen worden ist.“ Gerade weil wir trotz des unwetterartigen Dauerregens in unserer Region von größeren Schäden verschont geblieben sind, glaube ich, dass viele unserer Bürgerinnen und Bürger sich gerne solidarisch zeigen wollen.“

Erst eine ganze Woche nach den schweren Regenfällen hat das Hochwasser in Sachsen seine volle Wucht entfaltet. In Meißen, dem städtischen Zentrum des Partnerlandkreises, erreichte die Elbe ihren Höchststand am Donnerstagnachmittag mit 10,05 Meter. Normal sind dort 2,50 Meter. Die Flut hat begonnen, langsam abzufließen und gibt zentimeterweise den Blick darauf frei, was die reißenden Fluten durch Wasser- und Schlammmassen angerichtet haben. Noch ist das volle Ausmaß nicht zu ermessen, doch zeichnet sich ab, dass es an die Millionenschäden des großen Elbe-Hochwassers von 2002 heranreichen dürfte.

Rems-Murr-Hilfe für Meißen

Die öffentlichen Einrichtungen sind schwer in Mitleidenschaft gezogen, Straßen, Schulen, Kindergärten, und viele Privatleute haben in den Wassermassen ihr Hab und Gut verloren – zum Teil dieselben Menschen, die erst vor elf Jahren vom Hochwasser getroffen worden waren. Die meisten Schulen in Meißen bleiben auch am Montag geschlossen. Die Trinkwasserversorgung ist sichergestellt. Sie erfolgt vollständig über den Trinkwasserzweckverband Brockwitz-Rödern über die Meißener Stadtwerke. Das Wasser wird laufenden Kontrollen unterzogen. Geschäfte und Einrichtungen im Triebischtal sind erreichbar und geöffnet. Lebensmittelgeschäfte bieten am Sonntag auf beiden Elbseiten zusätzliche Öffnungszeiten von 9 bis 16 Uhr an.

Die Elbtalbrücke und der Schottenbergtunnel sind in beiden Richtungen für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Die Querung der Elbe ist zu Fuß über die Eisenbahnbrücke und dann weiter über den Kleinen Plossen möglich. Seit Freitag kann auch die Elbtalbrücke wieder zu Fuß genutzt werden
„Das tatkräftige Zupacken unserer Einsatzkräfte hat 2002 gezeigt, wie viel Gutes wir bewirken konnten“, erinnert sich Fuchs. Die Flut in Meißen hat ihren Höhepunkt überschritten. Mit einem Pegelstand von 10,05 Meter blieb die Elbe unter dem Pegel von 2002. Damals wurden 10,34 Meter gemessen. Am Samstag sank der Pegel auf neun Meter.

„Die Lage bleibt kritisch“, betonte auch der Hochwasserexperte im sächsischen Umweltministerium, Martin Socher. Das Plateau in der Elbe falle nur langsam – etwa einen Zentimeter pro Stunde. Das bedeute, dass die Elbe in Dresden wohl erst in etwa sechs Tagen aus der Warnstufe 4 herauskommt. Der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit liege neben der Sorge um die Betroffenen nun auf der Verteidigung der Deiche.

Während die Pegel langsam sinken, verschärft sich das Grundwasserproblem. „Die Grundwasserstände werden sich in den nächsten Tagen weiter erhöhen“, warnte Polizeipräsident Kann. Das gelte auch für Gebiete, die nicht überschwemmt seien. Dort sei der viele Regen des vergangenen Monats die Ursache. Kann appellierte daher an die unzähligen freiwilligen und professionellen Helfer, auf die Grenzen ihrer Belastung zu achten. Nötig sei auch, bei Anzeichen für Schwäche ein Auge auf seine Mitmenschen zu haben.

Die Helfer sind jedoch nicht überall gut angesehen. An ihren Arbeitsstellen werden sie schon vermisst. Gestern Mittag hat die Sächsische Zeitung einen Aufruf veröffentlicht: „Vermehrt erfahren wir derzeit, dass Helfern, die Sandsäcke stapeln und Essen verteilen, fristlos gekündigt werden. Gerne möchten wir auch über diese Schicksale in der Printausgabe berichten.“

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung 08.06.2013 / Text: Redaktion