Feuerwehr Rommelshausen feiert am Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen

Waiblinger KreiszeitungEs ist Samstagnachmittag. Dicker Rauch quillt aus dem Dachfenster des Alten Pfarrhauses. Menschen rufen um Hilfe. Ein Defekt an einem elektrischen Haushaltsgerät hat einen Brand ausgelöst; und bis er bemerkt wird, ist es schon fast zu spät. Die Flammen lodern und breiten sich aus. Da kann nur noch die Feuerwehr helfen.

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Mit Blaulicht und Martinshorn kommt sie aus dem Feuerwehrgerätehaus angerückt. Vorneweg der Einsatzleitwagen mit dem Einsatzleiter. Er entdeckt zwei Personen, die sich vor dem Feuer aufs Dach gerettet haben, eine dritte steht am Giebelfenster. Er ruft zu den dreien hoch, spricht mit ihnen, beruhigt sie, kündigt Rettung an und ruft nach Verstärkung: Die Drehleiter aus Fellbach muss kommen. Mittlerweile sind zwei weitere Fahrzeuge eingetroffen, erst das Tanklösch-, kurz darauf auch das Löschfahrzeug. Ihre Besatzungen werden an ihre jeweiligen Positionen eingewiesen; Schlauchleitungen werden gelegt, von der Tiefgarageneinfahrt neben dem brennenden Haus aus beginnt man damit, das Feuer mit Löschwasser zu bekämpfen.

Da über das Treppenhaus zu den Eingeschlossenen nicht mehr vorgedrungen werden kann, wird die Person am Giebelfenster mit Hilfe einer Leiter befreit. Mittlerweile ist auch die Drehleiter aus Fellbach eingetroffen. Die Flammen haben sich schon durch den Dachstuhl hindurchgefressen. In der engen Straße muss die Drehleiter ausgefahren und in Position gebracht werden. Mit ihr können die beiden auf dem Dach gerade noch rechtzeitig gerettet werden. In kurzer Zeit ist das Feuer gelöscht. Für die drei Geretteten ist es ebenfalls glimpflich ausgegangen. Sie werden dem Notarzt übergeben, keiner von ihnen scheint ernstlich verletzt zu sein.
Glücklicherweise nur eine Übung

Denn glücklicherweise handelt es sich um keine Brandkatastrophe, sondern um eine Übung: Rommelshausen feiert. Sich selbst und seine Feuerwehr. Die ist heuer 125 Jahre alt geworden und lädt ein zum „Tag der offenen Tür“. Das Feiern hat schon am Freitagabend angefangen, mit einer zünftigen Hocketse im Feuerwehrgerätehaus und davor in der Seestraße. Am Samstagnachmittag geht es dann weiter mit der Schauübung. Und die Römer lassen sich nicht lange bitten. Bereits weit über hundert Zuschauer verfolgen die Schauübung mit interessiert-kritischen Augen und hören die Erklärungen dazu, die Kommandant Peter Schneider über Lautsprecher gibt. Der berichtet stolz, dass im Ernstfall das erste Fahrzeug bereits drei Minuten nach der Alarmierung ausrückt, das zweite nach sechs bis acht. Und die Rommelshausener lassen sich auch gern ins Gerätehaus locken, dort warten schon flüssige und feste Stärkungen und das Angebot für eine Kinderfahrt mit dem Feuerwehrfahrzeug einmal ums Karree. Die Schlange derjenigen, die an der Bushaltestelle Seestraße auf eine Mitfahrgelegenheit warten, will schier nicht kürzer werden.

Nicht nur ihre Liebe zur Feuerwehr, sondern ihr bereits beachtliches Können dürfen dann auch noch die Angehörigen der Rommelshausener Jugendfeuerwehrgruppe beweisen: Jungen und Mädchen zwischen zwölf und fünfzehn Jahren, die in dieser erst ein halbes Jahr alten Gruppe einen Teil ihrer Freizeit verbringen und jetzt vorführen, wie ein „Löschangriff“ funktioniert: ein Schachthydrant wird freigelegt, dann wird an ihn ein Standrohr aufgeschraubt und eine Schlauchleitung zum Feuerwehrfahrzeug gelegt. Der erste und der zweite Einsatztrupp bereiten sich mit Strahlrohren für den Löscheinsatz vor.

Mit dieser neuen Jugendgruppe, erklärt Kommandant Peter Schneider, habe die Römer Wehr Neuland betreten. Man wolle die Kinder aufnehmen, wenn sie ihre Neugier und Begeisterung für die Feuerwehr entdecken. Und man hoffe, dass man sie dann mit sechzehn an die gemeinsame Jugendwehr mit Stetten weitergeben könne. Überhaupt, so Schneider, sei die Feuerwehr ständig auf der Suche nach Nachwuchs, sowohl für die Jugendwehr wie auch für die aktive Abteilung.

Die Jugendlichen ernten für ihren Einsatz stürmischen Beifall, und die Gruppe erhält von den Kameraden aus Stetten einen Scheck über 250 Euro, als Grundstock für die weitere erfolgreiche Arbeit – gleichzeitig das Geburtstagsgeschenk an die Rommelshausener Wehr. Und dann wird weiter gefeiert, in die Nacht hinein und den Sonntag über.

Ach ja, und am heutigen Montag auch noch, ab 12 Uhr beim musikalisch umrahmten Handwerker- und Seniorenmittagstisch. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen, und ab 18 Uhr spielen die Ricardos auf.

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Quelle: Waiblinger Kreiszeitung vom 10.06.2013 Text: Wolfgang Gleich