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Sie sind im Einsatzfall physischen und psychischen Extremsituationen ausgesetzt: Einsatzkräfte, die bei einem Brandfall im Inneren eines Gebäudes den Löschangriff ausführen oder nach vermissten Personen suchen. Um für das Einsatzspektrum gerüstet zu sein, absolvieren die Atemschutzgeräteträger beispielsweise einmal im Jahr auf der Übungsstrecke in Fellbach, die der Zentralen Atemschutzwerkstatt angegliedert ist, eine Sonderübung. In einem vernebelten „Tunnel“ haben sie verschiedene Aufgaben zu erfüllen und müssen sich im Team ihrem Weg bahnen. Die Einspielung von Geräuschen erschwert die Arbeit.

Am vergangenen Wochenende nun schulte die Feuerwehrabteilung Stetten ihre Atemschutzgeräteträger bei einem besonderen Notfalltraining. Was ist zu tun, wenn ein Schlauchanschluss des Pressluftatmers mitten im Einsatz abreißt oderbeschädigt wird oder die Maske plötzlich undicht wird? Wenn der Nebenmann über ein Hinderniss stürzt und sich verletzt?

Mit komplett verblendetem Visier mussten die Männer und Frauen in der absoluten Dunkelheit einen in der Fahrzeughalle des Feuerwehrgerätehauses aufgebauten Hindernisparcours bewältigen, bei dem verschiedene Gefahrensituationen eingebaut waren. Zudem galt es, eine durch einen 80 Kilogramm schweren Dummy simulierte „bewusstlose“ Person aufzufinden und unter erschwerten Bedingungen aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Doch auch die Eigensicherung stand auf der Agenda: da galt es, ohne die geringste Sicht defekte Atemschutzgeräte binnen Sekunden zu tauschen, den Atemanschluss des Nebenmannes mit einem Notfallabgang an das eigene Gerät anzuschließen.

Lob gab es von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die Zugführer Rainer Stilz, Stefan Wersch und Florian Michalke, die den Übungsparcours und das Notfallprogramm ausgetüftelt hatten. Diese Form der Übung sollte trotz des großen Aufwands möglichst im jährlichen Turnus wiederholt werden, waren sich die Einsatzkräfte einig.

Darüber hinaus ist die Feuerwehr Kernen i.R. als eine der ersten Feuerwehren im Rems-Murr-Kreis bereits vor Jahren dazu übergegangen, seine Einsatzkräfte unter realitätsnahen Bedingungen in mobilen Brandsimulationsanlagen (wir haben mehrfach berichtet) oder in der Brandsimulationsanlage von Fire and Rescue Training in Külsheim auszubilden. Dort sind Temperaturen von 600 Grad und mehr zu erzielen, wie sie auch bei einem Gebäudebrand auftreten. Damit die Einsatzkräfte bestens geschützt sind, wurde die aus dem Jahr 1997 stammende Einsatzbekleidung im vergangenen Jahr durch eine verbesserte Variante ersetzt. Alle drei Jahre haben Atemschutzgeräteträger bei einer arbeitsmedizinischen Untersuchung ihre gesundheitliche Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. Feuerwehrleute ab dem 50. Lebensjahr müssen diesen Nachweis sogar jährlich erbringen.