Ein Jahr nach Rauchmelder-Pflicht rät die Feuerwehr, die Wartung nicht zu vernachlässigen

Nach einem Jahr Rauchmelder-Pflicht in Baden-Württemberg ziehen Rainer Seeger, Kommandant der Fellbacher Feuerwehr, und Andreas Wersch von den beiden Wehren in Kernen eine positive Bilanz. Vor allem durch aufmerksame Nachbarn, die das Signal des Rauchmelders gehört haben, konnten die Wehren schneller alarmiert und in zahlreichen Fällen größere Brände verhindert werden. Dafür nimmt Rainer Seeger von der Fellbacher Feuerwehr gerne in Kauf, dass sich die Zahl der Einsätze für seine Mannen im vergangenen Jahr um etwa zehn Prozent erhöht hat.

Rauchmelder können definitiv Leben retten. Jährlich sterben in Deutschland rund 400 Menschen bei Bränden, die meisten in Privathaushalten. 95 Prozent fallen dabei nicht den Flammen zum Opfer, sondern einer Rauchvergiftung. Rauchwarnmelder können diese Gefahren reduzieren. Deshalb hat der Landtag von Baden-Württemberg am 16. Juli 2013 eine Rauchwarnmelderpflicht beschlossen. Bis Ende 2014 mussten die Geräte in bestehenden Gebäuden und in Neubauten installiert werden. Das führte kurzfristig zu Hektik und teilweise auch zu Engpässen bei der Lieferung der kleinen Geräte, die an der Decke im Schlafzimmer und Flur angebracht werden sollen. Jetzt sind die Regale in den Baumärkten wieder gut gefüllt, auch bei Elektro Hinderer in Fellbach hat sich die Situation sehr entspannt. „Wir haben in der Richtung fast gar nix mehr zu tun“, sagt André Sieber, Geschäftsführer bei Hinderer, auf Anfrage. Nur ganz selten kämen noch Aufträge, und bei der jährlichen Wartung wird der Fachbetrieb fast gar nie hinzugezogen.

Dabei sei nicht nur die Installation, sondern auch die Wartung ganz wichtig, sagt Rainer Seeger von der Fellbacher Feuerwehr. „In den nächsten Jahre wird die Zahl der Fehlalarme wohl ansteigen“, meint Seeger und rät, „die Wartung der Geräte ernst zu nehmen.“ Er mahnt die Bürger, die Geräte einmal im Jahr zu kontrollieren. „Das ist ja ganz einfach“, stimmt ihm sein Kollege Wersch aus Kernen zu. „Man löst den Rauchmelder kurz selber manuell aus und erkennt, ob er einen Signalton abgibt.“

Just dieser Signalton hat in Kernen im vergangenen Jahr einige Mal Schlimmeres verhindern können. „In zwei Fällen wäre es ohne Rauchmelder wahrscheinlich übel ausgegangen“, sagt Wersch. Nachbarn haben den nachhaltigen Ton des Rauchmelders zum Beispiel in Stetten gehört, wo eine Krankenschwester nach der Arbeit eine Pizza in den Ofen geschoben hatte und darüber eingeschlafen war. Die Nachbarn haben die Wehr alarmiert, die die Frau aus der schon verqualmten Wohnung retten konnte. Bei einem späteren Eintreffen der Rettungskräfte hätte die Frau bereits mehr Rauch inhaliert gehabt, was sie eventuell das Leben gekostet hätte. An den Brand am 4. März in Stetten erinnert sich Wersch besonders gut, es war genau um Mitternacht an seinem Geburtstag, als der Alarm von aufmerksamen Nachbarn einging. 110 Einsätze leisteten die Wehren in Rommelshausen und Stetten im vergangenen Jahr, „die Tendenz ist auch in Kernen leicht steigend“, sagt Andreas Wersch, der Kernener Gesamtkommandant. Als eine sehr positive Maßnahme empfindet er die Brandmeldeanlagen in Firmen, in der Diakonie Stetten und im Haus Edelberg. Diese Anlagen sind direkt mit der Leitstelle der Feuerwehr verbunden.

Auch in Fellbach wurde die Feuerwehr mehrere Male gerufen, weil Essen auf dem Herd vergessenen worden war, dann durch den Qualm der Rauchmelder anschlug und Nachbarn oder Mitbewohner aufmerksam wurden. Zum Beispiel jüngst in einem Zweifamilienhaus im Rotkelchenweg. Rund 320 Einsätze hatten die Wehren in Fellbach im vergangenen Jahr, schaut Seeger in die Statistik.

In Mietwohnungen sind Rauchmelder seit dem vergangenen Jahr fast überall installiert, in selbst bewohnten Häusern sind die Eigentümer manchmal nachlässiger. Es gibt keine Behörden-Instanz, die kontrolliert, ob Rauchmelder installiert sind und ob sie funktionieren. Auf den Versicherungsschutz hat ihr Vorhandensein in der Regel keinen Einfluss, denn es werden Gegenstände und nicht Menschen versichert.

Quelle: FZ vom 28.01.2016 / Text: Ingrid Sachsenmaier