Ein einheitliches Orientierungssystem zieht Lehren aus dem Winnender Amoklauf.

Fellbacher ZeitungAuf den ersten Blick sind die blauen Schilder unübersichtlich und gewöhnungsbedürftig. So sollen sich Polizei, Feuerwehr und Hilfsdienste in einer Schule orientieren können, wo sie sich nicht auskennen? Für ungeübte Besucher jedenfalls ist das neue einheitliche Orientierungssystem (EOS), das in Kürze in der Rumold-Realschule als erste Kernener Schule eingeführt werden soll, ein unübersichtlicher Schilderwald. Und dennoch: Es ist durchdacht, bezeichnet alle Räume nach einem einheitlichen System, das für alle Schulen im Kreis gelten soll. Für geschulte Kräfte von Polizei und Feuerwehr ein großer Vorteil.

140 neue Schilder muss Helmut Seher von Schrift & Farbe für die Rumold-Realschule erstellen. Eindeutig markiert ist jeder Raum, wobei über jeder Tür, innen und außen blaue Tafeln angebracht werden. Diese tragen ein einheitliches Logo aus drei Balken. Farbe und Zahlencodes machen den Unterschied aus: Das Balken-Logo im und am Hauptgebäude der Rumold-Realschule prangt in orange. Für den Pavillon gilt grün. So weit so übersichtlich. Darüber hinaus aber sind die Besucher mit den Zahlencodes konfrontiert, die jeden Raum eindeutig bezeichnen. Vor dem Punkt steht die Zahl des Stockwerks, dahinter der Raum, durchgezählt mit Start immer links vom Eingang und weiter im Uhrzeigersinn: 0.04 steht groß über der Tür und bezeichnet den vierten Raum links vom Eingang im Erdgeschoss.

Kleine Zahlencodes und Pfeile am unteren Rand der Tafeln bezeichnen schon im Gang versteckte Räume, die noch dahinterliegen und nur über ein weiteres Zimmer zu erreichen sind, oder bilden Wegweiser. ‚Man sieht schon auf dem Flur, was dahinter passiert‘, sagt Helmut Seher, der das von der Polizei entwickelte System auf die örtlichen Verhältnisse umsetzen musste. Im Pavillon hat ihn dies ins Schwitzen gebracht: ‚Dort sind viele Räume ineinandergeschachtelt. Die Frage war: Wie kennzeichne ich jeden Raum?‘

Versetzte Stockwerke in der Rumold-Realschule wie übrigens auch in der bald anschließend neu durchzunummerierenden Karl-Mauch-Schule, passen nicht richtig ins System. Für die Rumold-Realschule entschied sich Helmut Seher die Eingangsebene und die erste Halbebene als ein Stockwerk auszuschildern, damit auch die zusätzlich angebrachten Wegweiser beim Übergang ins gleiche Stockwerk des Pavillons leiten. Weitere Elemente im EOS sind außer den Türschildern und zusätzlichen Wegweisern die Tafeln an den Eingängen und Notausgängen. Die bisherigen Raumnummern fallen komplett weg.

Eigentlich wollte Helmut Seher die Schilder bereits in den kommenden Faschingsferien montieren, doch in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses hat ihn Bürgermeister Stefan Altenberger zurückgepfiffen: ‚Wir haben noch Beschlüsse im Brandschutz vor uns. Wir werden in der Rumold-Realschule noch einen weiteren Fluchtweg erhalten.‘ Vermutlich kann Seher in den kommenden Ferien erst einen Teil der Schilder anbringen.

‚Ziemlich viel Geld‘, kostet die Einführung des einheitlichen Orientierungssystems, sagt Hauptamtsleiter Bernhard Bühler und beziffert die Summe für alle drei Schule Kernens auf etwa 40 000 Euro. Eine Wahl hat die Gemeinde aber nicht: ‚Wir haben die Vorgaben so bekommen‘, sagt Bürgermeister Altenberger.

Bühler sieht das EOS ebenso wie einzelne Gemeinderäte kritisch: ‚Lehrer und Schüler finden sich zurecht, aber ein Dritter ist hoffnungslos verloren‘, glaubt der Hauptamtsleiter und fühlt sich an Behördenwegweiser erinnert: ‚Davor kann man eine halbe Stunde stehen und ist noch nicht schlauer.‘ Andreas Wersch, der CDU-Fraktionsvorsitzende, im Ehrenamt auch Feuerwehrkommandant, gesteht: ‚Ich bin mit vielem nicht ganz glücklich, aber auch mir ist nichts Besseres eingefallen.

Fellbacher Zeitung 07.02.2013

Quelle Fellbacher Zeitung vom 07.02.2013 Text: Hans-Dieter Wolz