Beim Feiern spritzt und raucht es

Schmiden – Bevor der Jubiläums-Festzug der Freiwilligen Feuerwehr durch die Schmidener Straßen ziehen konnte, räumte die Polizei die letzten Hindernisse aus dem Weg. Fünf Fahrzeuge mussten die Ordnungshüter abschleppen lassen, dann hatten Fußgruppen und Wagen freie Bahn. Rund 5000 Zuschauer säumten am Samstag die Strecke. Sie feierten das Geburtstagskind und die Festgäste, die zu Fuß, mit Feuerwehrautos, Oldtimer, Fahrrädern oder Ochsenkarren zum 125-Jahr-Jubiläum nach Schmiden kamen. Und wie auf die Polizei, so war auch auf Petrus Verlass. Zum Festzug ließ sich die Sonne blicken. Die Geburtstagsgrüße wurden unterschiedlich überbracht: gesungen, gespielt und kreativ verpackt. Vor allem den Mädchen und Jungen vom Kindergarten Talstraße, Kinderhaus Purzelbaum, vom Abenteuerspielplatz, der Fröbel-, Anne-Frank- und Albert-Schweitzer-Schule machte es sichtlich Spaß, sich als Feuerwehrleute zu verkleiden oder in Flammenkostüme zu schlüpfen. Aber auch die Großen hatten ihre Freude. Diakon Peter Seidl trug eine Art Lagerfeuer in Hutform auf dem Kopf und führte eine ökumenische Gruppe aus evangelischer und katholischer Kirchengemeinde samt Feuerschlucker an.

Vorneweg zog die Schmidener Feuerwehrabteilung mit einer alten Spritze, die von zwei Pferden gezogen wurde. Die Fellbacher und Oeffinger Wehr war mit blitzblank geputzten Löschwagen und in stattlicher Mannschaftsstärke angetreten. Spielmannszüge aus Waiblingen, Haubersbronn und Remseck marschierten mit, Feuerwehrangehörige aus Stuttgart-Sommerrain und der „Vigili del Fuoco di Erba“, der Feuerwehr aus der italienischen Partnerstadt. Die Kernener hatten einen Wagen gebaut, auf dem es rauchte und aus Schläuchen Wasser auf die Zuschauer spritzte. Die baden-württembergische Weinprinzessin Stefanie Zimmer aus Stetten machte den Wasserguss mit einem Glas Wein sofort wieder wett.

Für Heiterkeit sorgte der feuerrote Cinquecento, den sein Besitzer Antonio Giuliano zum Mini-Feuerwehrfahrzeug umfunktioniert hatte, samt Leiter und Schlauch auf dem Dach. Sein Bruder Mario Giuliano, Präsident des Fiat-500-Clubs, saß als Feuerwehrmann im offenen 500er, Georg Mayer vom Radsportverein mit Frack und Zylinder auf dem Hochrad. „Das hat Schmiden schon lange nicht mehr gesehen“, sagte eine Frau beim Anblick der zwei Kühe von Gerhard Weidner aus Mainhardt, die für den Landwirtschaftlichen Ortsverein einen mit Stroh beladenen Karren durchs Dorf zogen. Den Kontrast dazu bildeten die beiden Rocker auf ihren Choppern, die als Vorhut des Partywagens der Schmidener Band Timewarp mit sattem Sound unterwegs waren.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Zug“, sagte Raimund Ulrich, der frühere Fellbacher Sozialbürgermeister und Schmidener Bürger, der wie alle Teilnehmer und viele Zaungäste danach ins Festzelt beim Feuerwehrgerätehaus einkehrte. Dort saßen auch Oberbürgermeister Christoph Palm und die anderen Ehrengäste. Da die Reden bereits beim Festakt im März gehalten worden waren, beließ es das Stadtoberhaupt bei einem Dankeschön an die ehrenamtlichen Brandlöscher: „Wir verlassen uns auf die Feuerwehr vor Ort, es ist aber gut zu wissen, dass die Nachbarwehren bereitstehen – im Falles eines Falles, und wenn es gilt, gemeinsam zu feiern.“

Die Feuerwehrleute und ihre Gäste feierten gestern weiter, aber sie demonstrierten zugleich ihr Können bei einer Schauübung mit einem Unfall, in den ein Traktor mit Holz beladenem Anhänger und ein Personenfahrzeug verwickelt waren. Beifall bekamen auch die italienischen Kollegen, die sich spektakulär aus luftiger Höhe abseilten.

Quelle: Fellbacher Zeitung 14.05.2012 / Eva Herschmann