Quelle: 10.07.2017 Fellbacher Zeitung Eva Herschmann

Die Schützengilde weiht beim 46. Stettener Straßenfest ein neues Lichtgewehr für den sportlichen Nachwuchs ein

Ruhig steht Giulina Muroone im Schießstand und nimmt die Scheibe ins Visier. Dann geht es ganz schnell: Atmen, zielen, abziehen, nachhalten. Der Schuss des Lichtgewehrs ist kaum zu hören – zumindest zuckt keiner der Besucher des Stettener Straßenfests in der Nähe vor Schreck zusammen. Ein Loch in der Zielscheibe gibt es nicht, aber auf dem Computer sieht die Elfjährige sofort, dass sie mit der rund zwei Kilo schweren Büchse aus Holz einen Volltreffer gelandet hat. Bärbel Clemenz, die Jugendleiterin der Schützengilde Stetten, macht große Augen. Giulina Muroone hat nicht einfach einen Sonntagsschuss zufällig im Ziel untergebracht, sondern eine beeindruckende Serie von Treffern hingelegt. „Fürs erste Mal ist das echt super“, sagt die Fachfrau für das Schießen mit Licht, das den Nachwuchs zum Schützensport bringen soll.

Auf dem Stettener Straßenfest haben die Schützen am Sonntag ihr zweites Lichtgewehr eingeweiht. „Das haben wir erst Ende Juni bekommen und mit einer groß angelegten Spendenaktion finanziert, einem Crowdfunding“, sagt Bärbel Clemenz, die erst seit kurzem im Amt ist. Sie wirbt bei der Veranstaltung in der Ortsmitte mit vollem Einsatz für die Schützengilde. Denn auf Stettens Höhen kann – unter anderem – von nun an auf zwei Bahnen mit Laserstrahlen anstelle von Kügelchen geschossen werden kann. „Beim Schießen entwickelt sich ein gutes Körpergefühl und man lernt, sich zu konzentrieren.“

Vor allem beim Nachwuchs soll das neue Angebot zünden, und deshalb bauten die Schützen ihren Stand am Sonntag auf. „Da sind immer viele Familien mit Kindern da“, sagt Bärbel Clemenz. Normalerweise dürften Kinder erst ab zehn Jahren mit Luftgewehr schießen, da seien sie aber zumeist schon längst im Sportverein oder bei der Jugend-Feuerwehr aktiv, sagte sie. „Lichtschießen dürfen Kinder eigentlich schon ab sechs Jahren, wir haben aber das Mindestalter auf acht Jahre festgelegt, weil eine gewisse Körpergröße schon gut ist.“ Giulina Muroone hat die richtige Größe – und großes Interesse am Schießen. „Es macht Spaß“, sagt sie, und ihre stolze Mutter meint: „Es scheint, als hätten wir den richtigen Sport gefunden.“

Nicht nur Giulina Muroone ist mit dem Festverlauf zufrieden. Die Sonne, die Freitag und Samstag teils fast unerträglich vom Himmel schien, macht sich am Sonntag zwar rar über Stetten. Dafür strahlen die elf Gastgeber des Straßenfests umso mehr. Die 46. Auflage lockt von Freitag bis Sonntag nicht nur Bürger aus Kernen an, sondern auch viele Besucher aus dem Umkreis. „Freitag war der Hammer. Die Musik war klasse, aber das habe ich gewusst. Ich wollte die Band ,Schlagercafé’ schon lange mal herholen“, sagt Andreas Wersch, Feuerwehrkommandant in Stetten und Kernen. Am Samstag sei zwar etwas weniger los gewesen, der Umsatz habe aber dennoch gepasst. Selbst der Ausfall der von der Gemeinde geliehene Spülmaschine pünktlich zur Essenszeit am Sonntags konnte reibungslos aufgefangen werden. „Wir bringen unser dreckiges Geschirr zu den Volleyballern, die haben die zweite gemeindeeigene Spülmaschine.“

Beim Lichtgewehr-Schießen ist als nächstes Luis Schmid dran. Bärbel Clemenz reicht ihm das Gewehr. Der Zwölfjährige spannt es an den zwei kleinen Haken am Lauf und legt an. Er hat schon mal ein Luftgewehr in der Hand gehabt, aber das Lichtschießen findet er richtig klasse. „Ich würde gern mal ins Training ins Schützenhaus kommen, aber mittwochs habe ich schon Jugend-Feuerwehr.“