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Sebastian Biber, Alexander Kopp und Thomas Burr haben eines gemeinsam: alle drei sie sind Spezialisten im Notfallmanagement der Deutschen Bahn AG und als Ansprechpartner und Fachberater bei Unfällen mit Schienenfahrzeugen auf Bahngleisen zuständig. Die Bahnprofis waren nun am Freitag zu Gast bei der Stettener Feuerwehrabteilung. In ihrem Vortrag stellten sie die Gefahren dar, die bei Bahnunfällen verschiedenster Art im Gleisbereich der Bahn vorkommen können – und in der Realität auch vorkommen, wie Biber anhand von Bildmaterial eindrucksvoll, aber ohne Effekthascherei unter Beweis stellte.

Die Hauptgefahr bei Bahnunfällen geht dabei zweifelsohne von den Oberleitungen aus, die mit 15 000 Volt gespeist werden. Die Gefahr von sogenannten Lichtbögen besteht, wenn Rettungskräfte der Oberleitung zu nahe kommen. Hierzu reicht u.U. schon der Kontakt mit dem Dach des Schienenfahrzeugs aus. Auch wenn die Bahnstrecke von der Karlsruher Notfallleitstelle gesperrt wurde und die Oberleitung abgeschaltet ist, kann die verbleibende Restspannung immer noch tödlich sein. Deshalb muss der bei einem Bahnunfall alarmierte Notfallmanager die Oberleitung nach erfolgter Abschaltung mit speziellen Stangen erden. Erst dann können Rettungskräfte tätig werden.

Sebastian Biber stellte in seinem Vortrag verschiedene Szenarien vor, bei denen Feuerwehren tätig werden mussten. Das Spektrum reicht dabei vom Gefahrstoffunfall (wie etwa die umgestürzten Kesselwagen am Stuttgarter Hafen im letzten Jahr) über die entgleiste Lokomotive, brennende Bahnschwellen und Böschungen bis zu Personenschäden auf den Gleisen. Zum Abschluss des Vortrags stellten die Notfallmanager die Beladung ihrer Einsatzfahrzeuge vor.

Hintergrund des Ausbildungsabends: Die Bahnstrecke Stuttgart – Aalen führt einige Kilometer auch über die Gemarkung Kernen. Erst vor etwa einem Jahr wurde die Feuerwehr Kernen i.R. beispielsweise im Bereich des Haltepunkts Stetten-Beinstein zu einem Bahnunfall gerufen. Nach einem Sturmtief hatte sich ein umgestürzter Baum auf dem Gleisbett befunden, den eine S-Bahn in Fahrtrichtung Schorndorf überfahren hatte. Eine Fortsetzung der Fahrt war damit unmöglich. Die Feuerwehr musste das Geäst aus den Rädern des Triebwagens befreien, ehe die mit zahlreichen ungeduldigen Fahrgästen besetzte Bahn weiterfahren konnte. Zunächst aber musste auch hier die Bahnstrecke gesperrt werden, damit die Einsatzkräfte tätig werden konnten. Im Einsatz waren damals auch die Notfallmanager Thomas Burr und Sebastian Biber.

Für den hoffentlich nie eintretenden Einsatzfall auf den gesamten Bahnstrecken im Rems-Murr-Kreis und auf dem Gelände der Großbaustelle zu „Stuttgart 21“ ist der Rüstwagen der Kernener Wehr im Rahmen der Technischen Hilfeleistung bei Gleisunfällen alarmplanmäßig vorgesehen. Im Oktober wird die Feuerwehr Kernen i.R. auf Einladung von Notfallmanager Alexander Kopp (Mitglied der Schorndorfer Feuerwehr) auf dem Übungsgelände in Plochingen einige Szenarien unter realistischen Bedingungen erproben können. Übrigens: auch während des Vortrags klingelte des Alarmtelefon der Notfallbereitschaft mehrere Male. Größere Einsätze blieben glücklicherweise aus.