Der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch nimmt Politik und Gesellschaft in die Pflicht

Fellbacher ZeitungAuf seine Truppe konnte sich der Kernener Feuerwehrkommandant Andreas Wersch auch im vergangenen Jahr verlassen. 100 Männer und sechs Frauen stehen in Stetten und Rommelshausen für brenzlige Einsätze bereit und wurden 2014 zu 81 Einsätzen, darunter 18 Bränden, gerufen. Größere Schadenfälle seien diesmal ausgeblieben ‚oder konnten durch rechtzeitiges Eingreifen verhindert werden‘. Das soll möglichst so bleiben. Die Jugendfeuerwehr habe 22 Mitglieder, ‚darauf lässt sich bauen‘, sagte Wersch. Doch es brauche noch mehr, um die freiwillige Truppe schlagkräftig zu halten.

Feuerwehr entwickle sich immer mehr zu einem Vollzeitjob, sagte Wersch bei der Hauptversammlung der Abteilung Stetten am Samstag in der Glockenkelter. Der Blick in Nachbargemeinden zeige, dass immer mehr Städte und Gemeinden hauptamtliche Kräfte beschäftigten. In Fellbach gebe es drei hauptamtliche Gerätewarte, Weinstadt werde in diesem Jahr eine Stelle schaffen. ‚Wenn ich den Aufwand sehe, der bei uns betrieben werden muss, um Einsatzfahrzeuge und Geräte in Schuss zu halten, denke ich, dass auch wir uns bald Gedanken machen müssen, wie es weitergeht.‘ Verwaltung und Gemeinderat seien gefordert, die Wehr zukunftsfähig zu machen.

Nicht nur das stete Mehr an Arbeit bereitet Wersch Sorgen, sondern auch der demografische Wandel und die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Feuerwehr der Zukunft müsse stärker gefördert werden, sagte der Kommandant. Möglichkeiten und Ansatzpunkte gebe es genügend, von Regelungen des baden-württembergischen Feuerwehrgesetzes bis hin zu Förderbeschlüssen einzelner Städte und Gemeinden. So hat Winnenden ‚Richtlinien zur Förderung des Ehrenamtes in der Freiwilligen Feuerwehr‘ erarbeitet. Stadt und Wehr wollen gemeinsam eine Konzeption für eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit erstellen und bei Arbeitgebern um Verständnis und Unterstützung für das Ehrenamt in Uniform werben.

Bürgermeister Stefan Altenberger schätzt seine Wehr ebenfalls. Die neue sandfarbene Einsatzkleidung namens ‚Fire Max 3‘, mit der die Einsatzkräfte ausgestattet wurden, ist ein sichtbares Zeichen dafür. ‚Wir werden außerdem in Kürze die Aufwandsentschädigungen für Einsätze erhöhen, und die Gemeinde bezahlt zehn neue Lastwagenführerscheine.‘ Altenberger warb um Verständnis dafür, dass es vorerst aber keine neuen Ausgehuniformen für alle geben werde. ‚Die Uniform ist ein Accessoire. Es wäre nett, sie zu haben, aber es ist nicht unbedingt nötig.‘

Erwin Borck und Werner Wilhelm tragen mit Stolz die alten Feuerwehruniformen. Borck wurde für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt, Wilhelm mit 65 Jahren aus der aktiven Abteilung verabschiedet. ‚Leider greift bei uns, anders als in der freien Wirtschaft, diese Altersgrenze‘, sagte Kommandant Wersch.

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Quelle: FZ vom 02.03.2015 / Text: Eva Herschmann