Auf der Hauptversammlung der Römer Wehr fordert der Abteilungskommandant deshalb den Abriss des Milchhäusles

Waiblinger KreiszeitungHV2014Die Feuerwehr stelle keinerlei Ansprüche auf das Milchhäusle, betonte der wiedergewählte Abteilungskommandant Peter Schneider vergangenen Samstag auf der Hauptversammlung der Rommelshäuser Feuerwehr. Aber die Floriansjünger brauchen dringend Parkplätze – und die sollen auf dem Gelände des Milchhäusles entstehen. Da derzeit über eine Neuvergabe des Milchhäusles diskutiert werde, meinte Schneider, wäre dies eine gute Gelegenheit, das seit mehr als vierzig Jahren ungelöste Parkplatzproblem anzugehen.

Gemäß seinen Recherchen bei Altgemeinderäten wurde das Milchhäusle 1968 für 150 Mark von der damaligen Südmilch zum Abriss gekauft. Bereits damals stand der Platzbedarf am Gerätehaus im Mittelpunkt. 1971 habe man sich im Gemeinderat dann allerdings darauf geeinigt, das Milchhäusle als Jugendtreff zu nutzen, so lange, bis eine geeignete neue Unterkunft für die Jugendlichen gefunden wird. Dann sollte das Milchhäusle abgerissen und dem Gerätehaus als Parkplatz zugeschlagen werden. „Nach über vierzig Jahren Wartezeit wäre es nun auch unser Wunsch, dass diese Gemeinderatsentscheidung umgesetzt wird“, so Schneider.

Zur Begründung seines Anliegens verwies der Römer Abteilungskommandant auf die Vorgaben der DIN 14 092, Teil 1 „Feuerwehrhäuser“. Er zitierte: „Zum sicheren Abstellen der Pkws am Feuerwehrhaus für die Feuerwehrangehörigen müssen Pkw-Stellplätze in ausreichender Zahl und Größe vorhanden sein. Die Anzahl der Pkw-Stellplätze im Freien soll mindestens der Anzahl der Sitzplätze der im Feuerwehrhaus eingestellten Feuerwehrfahrzeuge entsprechen.“ Für Rommelshausen bedeutet dies: Der Feuerwehr hat fünf Stellplätze, bei 24 Sitzplätzen in den Einsatzfahrzeugen. Weniger geht schier nicht. „Wir sind für jede einzelne Bürgerin und jeden einzelnen Bürger der Gemeinde zu jeder Zeit gerne da. Wenn es zum Beispiel bei Ihnen zu Hause brennt, haben Sie sicherlich wenig Verständnis, wenn Sie länger auf die Feuerwehr warten müssen, weil die Feuerwehrangehörigen keinen Parkplatz gefunden haben. Das Szenario, dass dann vielleicht auch noch eine Person im Gebäude vermisst wird, möchte man sich bei dem Gedanken gar nicht vorstellen“, so Schneider.

Beigeordneter verweist auf den Gemeinderat

Hierzu erwiderte der Kernener Beigeordnete Horst Schaal für die Gemeinde, es sei korrekt, dass man in diesem Jahr die ersten Pläne für den Ausbau der Seestraße erarbeite. Was aber mit dem Milchhäusle geschehen wird, dies müsse der Gemeinderat entscheiden.

Kommandant Schneider ließ in seinem Rechenschaftsbericht das Feuerwehrjahr 2013 Revue passieren. Die von ihm herausgestellten Stationen waren die Outdoorsilvesterparty, der Festakt zum 125-jährigen Bestehen, der Besuch von Feuerwehrkameraden aus St. Rambert d’Albon und der „Tag der offenen Tür“. Im Zusammenhang mit diesem Festwochenende bedankte sich Schneider „ganz besonders“ bei den Nachbarn rund ums Feuerwehrgerätehaus: „Sie haben viel Geduld aufgebracht und Einschränkungen hinnehmen müssen.“

Schneider berichtete auch über den umfangreichen Übungsbetrieb und die fünfzig Einsätze, bei denen „Menschen und Tiere aus Notlagen befreit und Brände gelöscht“ wurden. Bei einem dieser Einsätze verletzten sich zwei Feuerwehrangehörige hitzebedingt an den Händen. Nachdem dies der zweite Vorfall dieser Art in den vergangenen fünf Jahren war, habe man für die Atemschutzgeräteträger Spezialhandschuhe für den Brandeinsatz beschafft. Schneider dankte den anwesenden Gemeinderatsmitgliedern ausdrücklich für den Beschluss, 2014/15 die Feuerwehr mit neuer Brandschutzkleidung auszustatten. „In die Sicherheit der Feuerwehrangehörigen zu investieren ist die sinnvollste und wichtigste Investition im Bereich Feuerwehr.“

Eine Lanze brach der Abteilungskommandant für die Rauchmelderpflicht, die seit dem 22. Juli 2013 in Baden-Württemberg gilt. „Jedes Jahr sterben in Baden-Württemberg 50 Personen in der Folge eines Brandes durch Rauchgase. Siebzig Prozent davon werden nachts vom Feuer überrascht. Eine schlafende Person kann nicht wahrnehmen, wenn sich der todbringende Rauch im Gebäude ausbreitet.“

Über die erfolgreiche Arbeit in der 2013 in Rommelshausen gegründeten und inzwischen auf 15 Kinder und Jugendliche angewachsenen Jugendfeuerwehr-Abteilung referierte Susanne Eißler. Thomas Rapp legte für den im vergangenen Jahr verstorbenen Kassenführer Heinz Schwarz Rechenschaft über die Abteilungskasse ab, und Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Georg Spinner berichtete über die Bemühungen, durch verstärkte Jugendarbeit und Werbung den Bestand der Freiwilligen Feuerwehren auch in Zukunft nachhaltig zu sichern.

Andreas Wersch, der Kommandant der Gesamtwehr in Kernen, lobte den Gemeinderat dafür, dass er im Haushalt 100000 Euro für den Kauf der neuen Einsatzkleidung bereitgestellt habe; für 2015 seien weitere 26000 Euro für neue Einsatzhelme vorgesehen. Er kündigte an, dass die Brandmeldeanlage der Diakonie demnächst auch tagsüber aufgeschaltet werde, wodurch auf die Feuerwehr in Kernen eine zusätzliche Verantwortung und Aufgabe zukomme.

Wahlen, Ehrungen, Neuaufnahmen

Bei der Hauptversammlung der Abteilung Rommelshausen der Freiwilligen Feuerwehr Kernen standen heuer Neuwahlen auf der Tagesordnung. Peter Schneider wurde als Kommandant bestätigt, Thomas Saitz als dessen Stellvertreter.

In den Abteilungsausschuss wurden Markus Konzmann, Norbert Beck, Thomas Saitz, Manfred Luitle, Sebastian Bohling, Susanne Eißler, Tobias Müller und Jochen Schniepp gewählt, als Römer Vertreter in den Gesamtausschuss Christian Fischer, Sebastian Bohling, Jochen Schniepp, Peter Schneider und Thomas Saitz.

Peter Reit wurde für vierzig Jahre aktiven Dienst mit dem Goldenen Feuerwehrehrenabzeichen ausgezeichnet; Gerhard Pfund und Siegfried Alber für sechzig Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr geehrt. Norbert Beck wurde zum Zugführer des zweiten Zuges ernannt, Markus Konzmann zu dessen Stellvertreter. Als neue Mitglieder der aktiven Wehr wurden Marcel Alber und Jerome Kleider begrüßt.

Quelle: WKZ vom 17.02.2014 – Wolfgang Gleich