125. Geburtstag der Feuerwehr wird mit Musik, Reden und überraschenden Ehrungen gefeiert.

Fellbacher ZeitungDie Freiwillige Feuerwehr ist ein Spross der im Land tief verwurzelten Tradition der Mitverantwortung und Bürgerbeteiligung‘, sagte Katrin Altpeter. Die baden-württembergische Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren hielt die Festrede zum 125-Jahr-Jubiläum der Abteilung Rommelshausen.

Schutz und Sicherheit, Einsatz und Motivation verbindet Katrin Altpeter mit der Feuerwehr. Sie lebe den Gemeinsinn, vermittle Werte und Schlüsselqualifikationen fürs Leben und für den Beruf, sagte die Ministerin. ‚Die Feuerwehr ist eine Erfolgsgeschichte.‘ Aber alle, die draußen den Kopf hinhielten, bräuchten nicht nur eine gute Ausrüstung, sondern auch einen ‚Schutzhelm für die Seele.‘ Feuerwehrangehörigen erlebten viele belastende Szenen, wie erst kürzlich bei der Brandkatastrophe von Backnang mit acht Toten. ‚Wir müssen sie auffangen und professionell betreuen.‘

Auch die demografische Entwicklung beeinflusse die Feuerwehr, sagte Katrin Altpeter. ‚Jeder vierte Baden-Württemberger besitzt einen Migrationshintergrund. Die Feuerwehr muss sich öffnen und um diese Menschen werben.‘ 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rommelshausen zeigten, dass das Ehrenamt anziehend ist. ‚Ich bin sicher, der Funke springt über, nichts wirkt stärker als das Vorbild und bindet mehr als die Gemeinschaft.‘

Das Salonorchester Melange entführte musikalisch in die Gründerzeit, der Spielmannszug Endersbach heizte mit ‚Rock around the clock‘ die Stimmung an. Eine große Zahl von Gästen – darunter Bundestagsabgeordneter Joachim Pfeiffer (CDU), der noch andere Termine zu besuchen hatte, und Landtagsabgeordneter Jochen Haußmann (FDP) – hatte sich zum Festakt am Samstag in der SpVgg-Halle versammelt. Bürgermeister Stefan Altenberger lobte die ‚unschätzbaren Dienste‘ der Feuerwehr, deren Bereitschaft, sich ehrenamtlich für andere einzusetzen. ‚Dass Sie uns schützen, lässt uns ruhig schlafen.‘ Frank Knödler, der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, appellierte, auch die nächsten 125 Jahre die Ideale der Feuerwehr hochzuhalten und sie nach draußen zu tragen, um mehr Menschen für dieses ‚wunderschöne Ehrenamt‘ zu gewinnen, in dem das Bindeglied die Kameradschaft ist.

Auch Kreisbrandmeister Andreas Schmidt ist ’stolz auf den Geist der Kameradschaft‘. Die Freiwillige Feuerwehr sei eine Bürgerinitiative, die nicht eigenen Zwecken sondern der Allgemeinheit diene. Ob die Wehr so stark bleibe, hänge aber vom Engagement jedes einzelnen ab. Es sei nicht genug, Traditionen zu pflegen, es gelte, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. ‚Aber dafür brauchen wir die Unterstützung der Politik.‘ Hauptamtliches Personal führe nicht immer zu einer Verbesserung, das habe auch Innenminister Reinhold Gall festgestellt. ‚Menschen in Not zu helfen, ist unser Antrieb zum Handeln, und wir setzen uns bis zum letzten mit Herzblut ein.‘

Georg Spinner, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Rems-Murr, nannte Feuerwehren ‚unbürokratisch und selbstlos‘. Aber die Institution befinde sich im Umbruch. Ein großes Problem sei die Tagesverfügbarkeit, die interkommunale Zusammenarbeit werde deshalb zum wichtigen Baustein. Spinner stimmte der Sozialministerin zu: ‚Wir müssen Migranten für die Feuerwehr werben.’Kernens Kommandant Andreas Wersch fand es nicht selbstverständlich, dass sich die Feuerwehr in der ‚rücksichtslosen und egoistischen Spaßgesellschaft ihrer Verantwortung bewusst ist‘.

Erich Lederer, Gerhard Ehmann, Siegfried Alber und Gerhard Pfund haben sich lange der Verantwortung gestellt. Die verdienten und altgedienten Männer der ‚Römer‘ Wehr wurden von Abteilungskommandant Peter Schneider zu Ehrenmitgliedern ernannt. Überrascht war Eberhard Lang, als ihm Georg Spinner das bronzene Feuerwehr-Ehrenzeichen überreichte.

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Die neuen Ehrenmitglieder Erich Lederer, Gerhard Ehmann, Siegfried Alber und Gerhard Pfund
mit Kernens Kommandanten Andreas Wersch, Bürgermeister Stefan Altenberger und
Abteilungskommandant Peter Schneider (von links). Foto: Eva Herschmann

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 18.03.2013, Eva Herschmann