Das 39. Straßenfest rund ums Backhäusle kommt wegen der tropischen Hitze erst abends und beim Fußball richtig ins Rollen

Die Fußballfans in Stetten bejubeln das 1:0 von Thomas MüllerSpanische Verhältnisse herrschten beim Straßenfest in Stetten. Während der Gluthitze tagsüber hielten die meisten Stettener Siesta in den Häusern. Erst abends regte sich Leben in den Gassen. Spanien diktierte aber auch das Programm des Traditionsfestes. Weil die Spanier im Halbfinale bei der Weltmeisterschaft in Südafrika die deutsche Nationalmannschaft besiegt hatten, feierten die Fußballfans anlässlich des kleinen Finales am Samstag – statt beim Endspiel am Sonntagabend – ihre WM-Party.

Obwohl das 39. Stettener Straßenfest am Wochenende ein bisschen zu sehr von der Sonne verwöhnt wurde, waren die gastgebenden Vereine nicht unzufrieden mit dem Verlauf. „Tagsüber war natürlich nicht viel los, aber abends umso mehr“, sagte Ingrid Jäger, die Kassiererin der Stettener Landfrauen. Am Freitag sei sie erst um kurz vor 1 Uhr nachts zuhause gewesen. Die Landfrauen waren auch mit ihrem neuen Standort zufrieden. Im Hof vor der Mühle haben sie nicht nur fast doppelt so viel Platz wie früher. „Es ist außerdem auch so schön luftig hier, und die Musik von der Bühne ist zwar zu hören, aber nur sehr gedämpft“, schwärmte die Schriftführerin Ruth Böckeler.

Die schwäbische Rockband Wenndrsonn kämpfte am Samstag gegen harte Konkurrenz. Fußballfans konnten das Spiel Deutschland gegen Uruguay im Feuerwehrgerätehaus und bei den Feuerreiter-Pfadfindern verfolgen. Während die Feuerreiter im Freien vor einem Fernseher saßen, drängten sich bei der Feuerwehr alle in dem mit Folie vom Rest des Gerätehauses abgeteilten Séparée vor der Großbildleinwand. Lukas hatte seine Vuvuzela dabei. „Nach der Niederlage gegen Spanien habe ich geweint, jetzt sollen sie wenigstens Dritter werden“, sagte der Steppke und blies in die Tröte in den Farben schwarz, rot, gold. Andreas Wersch, Abteilungskommandant in Stetten und Kernener Gesamtkommandant, hatte das Trikot mit dem Adler und der Nummer 19 übergestreift. „Schließlich ist Cacau ein Remstaler.“ Die Stimmung war gut, Zuversicht und Optimismus waren groß. Schwüle und Enge in dem Kabuff neben den Spinden sorgten für reichlich Durst bei den rund 200 kleinen und großen Gästen, die mit den Deutschen mitfieberten.

Feuerwehrmann Günter Beurer, ein wahrer Freund und Helfer, konnte allerdings nur beim ersten Volltreffer jubeln und mitfeiern. Kurz nachdem Thomas Müller das 1 : 0 erzielt hatte, war Ingrid Fink, die stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen, Hilfe suchend bei der Feuerwehr aufgetaucht. Die Landfrauen hatten ein Problem mit dem Wasserzufluss an ihrem Stand. Die innerörtliche Nachbarschaftshilfe entpuppte sich als diffiziler Reparatureinsatz, der bis kurz vor Ende des Spiels dauerte. Immerhin erlebte Günter Beurer noch das dritte Tor der Deutschen – den Siegtreffer des Oeffingers Sami Khedira – live mit und konnte nach dem Abpfiff mit den anderen Fans auf dem Straßenfest auf den WM-Dritten aus Deutschland anstoßen.

Quelle: Fellbacher Zeitung vom 12.07.2010 / Text: Eva Herschmann